Die Faszination hinter dem Thrill der Spannung und Angst am Beispiel von “ES”


Die Neuverfilmung „ES“ aus 2017 spielte ca. 700 Millionen Dollar ein, die zweite Neuverfilmung ca. 470 Milliarden Dollar. Sie sind damit die beiden erfolgreichsten Horrorfilme aller Zeiten (1).

Doch woran liegt das und was fasziniert den Menschen daran eine kontrollierte Spannung und Angst zu empfinden?

Laut dem Autor Noel Caroll stammt die Bezeichnung des „Horrors“ aus der Kombination des lateinischen Wort „horrere“, was bedeutet am Rand zu stehen oder sich zu sträuben und aus dem Französischen „orror“, das übersetzt heißt sich sträuben bzw. erschaudern. (2)

Die Reaktion auf den künstlich erstellten Horror bzw. die dadurch hervorgerufenen Emotionen können körperliche Anspannung, Schaudern, Kribbeln, Frösteln oder ähnliche Angstreaktionen beim Rezipienten erzeugen.(3)

Hierbei handelt es sich um fiktive Kreaturen, die dafür geschaffen wurden, dem Zuschauer ein Angst- und Ekelgefühl zu geben. Dieser Fakt ist laut dem Medienprofessor Benshoff der Hauptunterschied zum Genre Thriller: Hierbei kann ebenfalls Angst und Ekel erzeugt werden, jedoch werden diese Empfindungen nicht aufgrund eines „Monsters“ hervorgerufen.(4)

Des Weiteren stützt sich die Machart von Horrorfilmen auf diverse filmische bzw. erzählerische „Regeln“, die das Genre erst zu dem macht, was es ist. Dazu zählt, dass der Protagonist meistens keine Person ist, die alle rettet, sondern das Opfer der Geschichte darstellt.(5)

Ein Beispiel hierfür ist die Rolle „Georgie“ in den Filmen „ES“ von Stephen King. Die gesamte Story des Originals und der ersten Neuverfilmung stützt sich auf den Hergang des Mordes an dem kleinen Jungen durch den Killer-Clown Pennywise (bzw. dem plötzlichen Verschwinden Georgies) und dessen versuchte Rettung durch seinen Bruder und anderen Charakteren. Außerdem werden oftmals Kinder in Horrorfilmen dargestellt, „[…] besondere Kräfte [zukommen], die sie in Opposition zur Erwachsenenwelt einsetzen“(6). Auch diese Eigenschaft findet man in „ES“ wieder. 


(1) Vgl. Bocksch (2021): Das sind die erfolgreichsten Horrorfilme aller Zeiten, in statista.com, unter: https://de.statista.com/infografik/19803/erfolgreichste-horrorfilme-nach-weltweitem-einspielergebnis/ [abgerufen am 10.03.2022].

(2) Vgl. Carroll, The Philosophy of Horror, or Paradoxes of the Heart, 1990, S.24

(3) Vgl. Carroll, Ebd.

(4) Vgl. Benshoff, A Companion to the horror film, 2014, S. 34

(5) Vgl. Weingartner (2022): Warum Horrorfilme ohne Spielregeln keiner einzigen Menschenseele Angst bereiten, in: filmpuls.info, unter: https://filmpuls.info/horror-im-film-spielregeln-horrorfilme/ [abgerufen am 10.03.2022].

(6) Weingartner, 2022, Ebd. 

Weitere Aspekte wären laut der Journalistin Weingartner, der Konflikt zwischen Gut und Böse, des Bekannten und Unbekannten, familiäre Konstrukte sowie gewalttätige und sexuelle Fantasien. Hinzukommend ist das Ungewisse über die Ereignisse der vergangenen und zukünftigen Zeitspanne der Charaktere. Zu beachten ist, dass nicht alle Aspekte in einem Horrorfilm inbegriffen sein müssen, damit dieser so bezeichnet werden darf. (7)

In „ES“ kämpft deutlich das Gute (die Kinder) und das Böse (Pennywise) gegeneinander. Der Killer-Clown stellt zudem etwas Ungewisses dar, von dem eine Gefahr ausgeht. Gewalt spielt dahingehend eine Rolle, wenn es um den Mord an den Kindern (Pennywise’ Opfern) geht oder um kleinere Streitereien zwischen den Protagonisten. Sexuelle Fantasien sind, im Gegensatz zum Buch, in den Filmen nicht wieder zu finden.

Weingartner spricht in ihrem Artikel noch weitere Aspekte an, die den Horror ausmachen: Es gibt für den Rezipienten keine Gewissheit über die nächsten Schritte der Erzählung. Zudem kann sich der Zuschauer mit dem/den Protagonisten identifizieren und erlebt so dessen/deren wiedergegebene Geschichte „persönlicher“. Hinzukommend findet in vielen Fällen die Darstellungsweise im Alltag bzw. alltäglichen Situationen statt.(8)

Die „ES“-Filme sind der Inbegriff des Ungewissen. Zwar hat der Rezipient eine Vorahnung, das bald etwas Tragisches passieren wird, jedoch nicht was, wann, wo und wie. Zudem wird die Geschichte in einem Alltags-Arrangement wiedergegeben.

Eine recht weitverbreitete Angst, mit denen die „ES“- Filme spielen, ist die Coulrophobie: Diese Phobie „[…] gehört zu den spezifischen Phobien und bezeichnet die pathologische Angst vor Clowns“(9).  Ob der extra Thrill durch diese Angst einen Teil zum Erfolg der „ES“-Reihe beiträgt, wurde bisher nicht bewiesen.

Zusammengefasst ist die Gestaltungsform von Horrorfilmen auf die Erzeugung von Emotionen zurückzuführen und beinhaltet psychologische Aspekte. Zudem sind gewisse filmische Regeln hinsichtlich des Storytellings zu befolgen, damit das Empfinden von Horror in einem Film entstehen kann.


(7)  Vgl. Ebd.

(8)  Vgl. Ebd.

(9)  Psylex (o.D.): Coulrophobie; Angst vor dem Clown, in: psylex.de unter: https://psylex.de/stoerung/angst/phobien/coulrophobie/ [abgerufen am 10.03.2022].


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