Horrorfilme und das Böse im Menschen

Angst ist ein Gefühl, das viele Menschen erleben: Ob vor der Prüfung oder während dem nächtlichen Nachhauseweg – sie ist allgegenwärtig und eine Grundemotion, die zum Leben dazugehört. Das Empfinden von Angst soll dem Menschen auf potenzielle Bedrohungen vorbereiten, damit dieser Präventionsmaßnahmen einleiten kann.(1)

Das Genre Horror nimmt stetig an Beliebtheit zu.(2) Gruseln und fiktive Angstzustände stellen ein gesellschaftliches und geschlechtsloses Phänomen dar. Der Psychologe Gerd Reimann vermutet, dass in jedem Menschen etwas Böses bzw. Gewalttätiges steckt, welches durch das Anschauen von Horrorfilmen gestillt werden kann.(3)

Laut dem Psychologen Hellfritsch produziert der menschliche Körper während eines Horrorfilms die Hormone Adrenalin und Endorphine. Diese Kombination aus Stress- und Glückshormonen kreiert die sogenannte „Angstlust“, einen bestimmten Reiz, der den Horror für den Rezipienten interessant macht. Zudem ist das bewusste Gruseln vor allem dann möglich, wenn man weiß, dass das Gesehene nichts mit der Realität zu tun hat und man sich aufgrund dessen sicher fühlt.(4)

Der Sachverhalt ob und wie realitätsnah Horrorfilme vom Menschen wahrgenommen werden, liegt am emotional-kognitiven Denkstil: Entstehen durch das Anschauen solcher Filme ein Fluchtreflex, Ängste oder auch ein Nachempfinden des Schmerzes der Handlung, dann nehmen diese Menschen Horrorfilme als realistisch wahr. Wer dagegen eher gerne sich mit gruseligen Geschichten auseinander setzt, sieht diese als das an, was sie sind: imaginär.(5)


(1)  Vgl. Koch, L., S. 1, Angst: Ein interdisziplinäres Handbuch, 2013, Springer-Verlag: Deutschland

(2)  Vgl. Watson.de (2019): Hallo Horror! R.I.P. Liebesfilme. Welche Film-Genre ihren Niedergang erlebten, in: watson.de, unter: https://www.watson.de/leben/best%20of%20watson/494597389-hallo-horror-r-i-p-western-welche-film-genres-einen-niedergang-erlebten, 2019 [abgerufen am 18.03.2022].

(3)  Vgl. dpa (2017): Halloween und Horrorfilme: Die Lust am Gruseln, in: focus.de, unter: https://www.focus.de/panorama/boulevard/gesellschaft-halloween-und-horrorfilm-die-lust-am-gruseln_id_7772693.html [abgerufen am 18.03.2022].

(4)  Vgl. Franziska (2018): Von der Lust am Gruseln, in: zwischenbetrachtung.de, unter: https://zwischenbetrachtung.de/2018/07/03/on-der-lust-am-gruseln/ [abgerufen am 18.03.2022].

(5)  Vgl. Fehr (2015): Was passiert im Gehirn, wenn wir einen Horrorfilm anschauen?, in: dasgehirn.info, unter: https://www.dasgehirn.info/aktuell/frage-an-das-gehirn/was-passiert-im-gehirn-wenn-wir-einen-horrorfilm-anschauen [abgerufen am 19.03.2022].

Bezogen auf die Filme „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock und „ES“ von Stephen King, liegt die subjektive Stärke des Horrors Nuancen auseinander: Während Hitchcock Humor mit in seine Filme bringt und damit teilweise die dargestellten Situationen gekonnt lockert, nutzt Stephen King ungewisse und plötzliche Schreckenshandlungen, die den Zuschauer fast ununterbrochen ein Spannungsgefühl verleihen. Die Gemeinsamkeit: Beide wissen, wie sie mit der Angst ihrer Rezipienten filmisch spielen können.

Zudem beschäftig sich Hitchcock in seiner Karriere generell gerne mit der Thematik der Angst bzw, psychischen Störungen. Als Beispiel kann der Film „Vertigo“ (1958) genannt werden, in dem ein Mord nicht verhindert werden kann, da der potenzielle „Retter/Held“ Höhenangst hat (Antiheld). Zusätzlich behandelt der Film Nekrophilie, wodurch die Angst vor dem Tod in einer anderen Perspektive gezeigt wird. Des Weiteren kann „Spellbound“ (1945) aufgeführt werden, indem ein Kindheitstrauma eines Protagonisten eine Rolle spielt und „Marnie“ (1964), der von einer Kleptomanin handelt. „Die Vögel“ (1963) behandelt die Ornithophobie: Die Angst vor Vögeln. Allgemein ist Mord und die Angst davor ein begleitendes Thema in vielen seiner Werke.

Stephen King hat mit seinen Horrorwerken „ES“ eine große Verbindung: Die Angst vor Clowns.(6) Des Weiteren handeln die Bücher und Filme des 74- Jährigen oftmals um den nackten Überlebenstrieb der Protagonisten und weisen eine mysteriöse Grundhandlung auf. Hierbei verweise ich auf das zuvor beschriebene „Ungewisse“, welches dem Zuschauer die Nackenhaare aufstellen lässt. 

Die Faszination Horror ist ein weiter Bereich, der bisher noch nicht vollständig psychologisch erforscht wurde. Aber eines steht fest: In der Filmbranche ist das Genre nicht mehr wegzudenken. 


(6)  Vgl. Niasseri (2019): „Es“: Darum hat Stephen King selber Angst vor Clowns, in: rollingstone.de, unter: https://www.rollingstone.de/es-darum-hat-stephen-king-selber-angst-vor-clowns-1347377/ [abgerufen am 19.03.2022].