Zeit für eine Zusammenfassung

Dieser Blogeintrag hätte noch den zweiten Versuch der analogen Doppelbelichtung thematisieren sollen. Doch aufgrund der verzögerten Lieferung der Abzüge ist dies leider nicht möglich, da es jetzt am Ende des Semesters Zeit ist, die Experimente zusammenzufassen und das Resultat zu bewerten. 

Die letzten Wochen waren geprägt mit der Durchführung der Experimente. Ich widmete mich der Doppelbelichtung – digital als auch analog und erarbeitete weitere Schritte im Bildbearbeitunsgprozess. Die digitale Doppelbelichtung mit der Systemkamera zu Beginn war sehr erfolgreich und recht einfach umzusetzen. Da ich mich schon länger mit der digitalen Fotografie beschäftige, konnte ich die Schritte ohne Probleme durchführen. Der Vorteil der digitalen Doppelbelichtung war das sofortige Ergebnis. Innerhalb ein paar Sekunden konnte ich in der Kamera das Resultat anschauen und bewerten. Das Aufeinanderlegen der zwei Fotos erledigte bereits meine Kamera. Im zweiten Experiment befasste ich mich mit der analogen Doppelbelichtung, was zu einem unerwarteten Ergebnis führte. Nur ein paar Fotos wurden entwickelt und konnten begutachtet werden. Interessant war hier, dass zwei Fotos sich gegenseitig ergänzen konnten und sozusagen ein analogen Puzzle enstand. Im dritten Experiment erstellte ich Doppelbelichtungen mit der Sofortbildkamera. Auch hier war es vorteilhaft, das Ergebnis nach ein paar Minuten in den Händen halten zu können. Im letzten Experiment nahm ich die wenigen Abzüge des zweiten Experiments als Grundlage für eine digitale Weiterbearbeitung. Ich stellte fest, dass noch andere Fotos auf den Filmstreifen zu sehen waren und diese nicht im Labor vergrößert wurden. Also zweckentfremdete ich den Video Kopierer und steckte die Negative hinein, um sie dann mit der Systemkamera abzufotografieren. Das ist mir sehr gut gelungen und ich konnte anschließend verschiedene Farbeinstellungen in Photoshop vornehmen. Dazu zählte das Erstellen der animierten gifs, um die Farbunterschiede deutlich zu machen. 

Allgemein war für mich die Schnittstelle zwischen analog und digital sehr interessant. Auch wenn ich zuvor analog gearbeitet habe, kam ich irgendwann an einen Zeitpunkt, an dem ich meine Abzüge digitalisieren musste. Für die Aufbereitung der Blogposts führte kein Weg daran vorbei. Dieser Schritt in die digitale Welt eröffnet unendlich viele Möglichkeiten. 

In den verschiedenen Experimenten stand jeweils die Technik und die Durchführung im Vordergrund. In Zukunft möchte ich mich noch mehr mit dem Inhalt der Fotos beschäftigen – also was auf den Bildern zu sehen ist. Bei den Polaroids (und eigentlich auch auf den neuen analogen Abzügen, die bis heute noch nicht entwickelt wurden) habe ich es schon versucht, den Inhalt bewusst zu wählen. Das Prinzip der übereinander liegenden Ebenen (der zwei Fotos) und dem Gegensatz von analog und digital kann ich inhaltlich aufgreifen. Beispielsweise dienen Gegensatzpaare wie Natur und Stadt oder Farb- und Formunterschiede eine Menge an Möglichkeiten, die ich fotografisch festhalten kann. Somit ergänzen sich die visuelle Ebene und die methodische Durchführung. 

Für das weitere Vorgehen werde ich mich noch mehr mit dem Inhalt auseinandersetzen. Dazu zählt die Recherche nach bekannten Fotograf*innen und Kunstschaffende, die ähnliche Arbeiten erstellen. Ich denke, dass ich mich davon inspirieren und leiten lassen kann, um mein Themengebiet zu erweitern und einen Fokus für das kommende Semester zu setzen. 

Digitalisierung analoger Fotografien

Der dritte Blogeintrag befasste sich mit der analogen Doppelbelichtung, die nicht ganz so funktioniert hatte, wie geplant. Mit den Abzügen erhielt ich die Filmstreifen, die ich zuvor mit der analogen Kamera belichtet hatte. Die Filmstreifen waren nahezu komplett leer, da irgendein Arbeitsschritt oder mehrere Schritte im Prozess fehlerhaft waren. Jedoch bemerkte ich, dass ein paar weitere Fotos auf den Filmstreifen zu erkenn waren, die ich nicht als Abzüge erhielt. 

Das hielt ich für einen Ausgangspunkt für ein weiteres Experiment und nahm mir vor, die Negative zu digitalisieren. Gewöhnlich werden Negative mit einem speziellen Gerät gescannt und dann digitalisiert. Ähnlich funktioniert das auch bei Kleinbild-Dias. Da ich aber so ein Gerät nicht besitze, habe ich einen anderen Weg gefunden, wie ich die kleinen Fotos vergrößern und digitalisieren kann. Auch hier begann ich das Equipment meines Großvaters zu nutzen. Das „Hama Video Copier“ ist ein Hilfsmittel, in das Kleinbild-Dias eingesteckt und betrachtet werden können. Es wurde oftmals für den Videoschnitt verwendet. Es handelt sich um ein Vorsatzgerät für Videokameras zum Überspielen von Dias und Negativen. Dieses Gerät wurde eignete sich deshalb sehr gut für die Digitalisierung. 

Abbildung 1: Hama Video Kopierer Vorsatz

Abbildung 2: Hama Video Kopierer Vorsatz

Hierfür wurden die Filmstreifen eingesteckt und gegen das Licht gehalten. Nun wurde mit der Systemkamera XT-3 der Marke Fujifilm und einem 35mm f1.4 sechs Negative abfotografiert.

Im zweiten Schritt wurde das Negativ farblich umgekehrt – ein negatives Negativ entstand. So wurden die Farben wieder umgekehrt und das Foto ähnelte dem bereits zugeschickten Abzug. 

Für die Weiterverarbeitung wurden acht weitere Arbeitsschritte festgelegt, bei denen Farben und Kontrast angepasst wurden. 

01: Original
02: Negativ (Farben umgekehrt)
03: Negativ Ausschnitt
04: Anpassung der Helligkeit, Farbbalance und Kanäle + selektive Farbkorrektur
05: Fotofilter (Anpassung Farbtemperatur)
06: Anpassung der Gradiationskurve 
07: Verwendung Colour Lookup: 2Strip.look
08: Verwendung Colour Lookup: Candellight.CUBE
09: Verwendung Colour Lookup: FallColors.Look
10: Schwarzweiß

Die definierten Arbeitsschritte dienten als Parameter, um die Fotos anschließend miteinander vergleichen zu können. Bei den Negativen A, C, D und E funktionierte es sehr gut. Die Motive sind nach der Digitalisierung gut zu erkennen, auch wenn die Abzüge ein wenig verpixelt und unscharf sind. Bei den beiden anderen Negativen B und F funktionierte es ebenfalls, jedoch ist nicht viel zu erkennen, da viele Bereiche die Fotos dunkel erscheinen lassen. 

Abbildung 3: Negativ A und Weiterbearbeitung

Abbildung 4: Negativ B und Weiterbearbeitung

Abbildung 5: Negativ C und Weiterbearbeitung

Abbildung 6: Negativ D und Weiterbearbeitung

Abbildung 7: Negativ E und Weiterbearbeitung

Abbildung 8: Negativ F und Weiterbearbeitung

Um die farblichen Unterschiede der einzelnen Parameter noch mehr zu erkennen, wurden animierte gifs in Photoshop erstellt. Die Ergebnisse zeigen zwar leicht verpixelte Fotos, doch der Charme der Analogfotografie ging auch in den digitalen Arbeitsschritten nicht verloren. Einerseits liegt das an den Farben und den ausgewählten Motiven, andererseits auch an teils über- oder unterbelichteten Bereichen. Die kleinen Löcher der Negative erzeugen an den Rändern auch dunklere Streifen, was ebenfalls zum analogen Erscheinungsbild beiträgt. 

Animiertes gif 1: Negativ A

Animiertes gif 2: Negativ B

Animiertes gif 3: Negativ C

Animiertes gif 4: Negativ D

Animiertes gif 5: Negativ E

Animiertes gif 6: Negativ F

Bildnachweise:
Abbildung 1 – 8: Miriam Rein
Animiertes gif 1 – 6: Miriam Rein

Analoge Doppelbelichtung mit der Sofortbildkamera

Das Experimentieren geht weiter: Nachdem die Doppelbelichtung digital sehr gut geklappt hat, war das Ergebnis der analoge Doppelbelichtung anders als erwartet. Nun wird ebenfalls wieder analog belichtet. Als Werkzeug dient eine Polaroidkamera. Die Art von Kameras erfreuen sich in den letzten Jahren an steigender Beliebtheit, denn nach dem Auslösen wird sofort das Foto ausgedruckt. Nach ein paar Minuten ist das Ergebnis fertig: der belichtete Film hast sich selbst fertig entwickelt. Es entstehen dabei Unikate, Momentaufnahmen, ohne dass eine digitale Datei existiert. Polaroids werden heute oft auf Geburtstagen, Hochzeiten, Reisen oder sonstigen Events genutzt. Seit über 70 Jahren gibt es die Sofortbildkamera. Damals war es ein revolutionärer Durchbruch, da keine Negative entwickelt werden mussten und das Foto sofort fertig war. 

Heute dominieren die „Instax“ Sofortbildkameras den Markt, sie gehören zur Marke Fujifilm. Es gibt die Kameras in unterschiedlichen Modellen, die Fotos unterscheiden sich teilweise in der Größe. Auch gibt es Schwarz-Weiß oder Sepia Filme. Verschiedene Modi können verwendet werden, um ein gut belichtetes Polaroid in unterschiedlichen Lichtverhältnissen erstellen zu können. 

Die Instax SQ6 wurde für das Experiment genutzt. Sie besitzt den Modus, Doppelbelichtungen durchzuführen. Das erste Motiv sollte ein freistehendes Objekt sein, am besten eignen sich Motive for einem hellen Hintergrund. Möglich ist auch dass die Kamera Richtung Himmel gehalten wird, sodass der Himmel den hellen Hintergrund bildet. Für das zweite Motiv können Motive gewählt werden, die eine Struktur oder Pattern haben. Beispielsweise eignen sich Wiesen, Blätter, Mauern,  Fassaden usw. dafür. Danach sollte die Silhouette des ersten Motives gefüllt mit dem zweiten Motiv die Doppelbelichtung ergeben. 

Das erste Bild zeigt die Silhouette einer Hand. Sie ist mit grünen Blättern gefüllt. Diese sind noch ganz leicht im weißen Hintergrund zu erkennen. Oben rechts in der Ecke befindet sich auch eine grüne Stelle. Wahrscheinlich ist das ein Ast eines Baumes, der noch in das erste Motiv geragt ist.
Für den zweiten Versuch der Doppelbelichtung wurde zuerst ein Baum und dann eine orangene Hauswand abfotografiert. Auch hier hat es super funktioniert, denn die Silhouette des Baumes ist noch sehr gut zu erkennen und die Fassade füllt nun die Fläche des Baumes.
Bei der dritten Doppelbelichtung wurde der Spieß umgedreht und zuerst ein urbanes Objekt, dann ein Objekt aus der Natur fotografiert. Ein städtisches Gebäude und die Straßenlaternen sind zu erkennen, sie sind gefüllt mit grünem Gras. Doch hier passierte ein kleiner Fehler: Der Haltegurt der Kamera rutschte ins Bild mit rein und wurde auch belichtet. So bekam das Polaroid ein etwas  unerwartetes Aussehen.
Beim vierten Versuch wurde eine Person fotografiert, danach ein Kopfsteinpflaster, welches auch außerhalb der Person zu erkennen ist. Wahrscheinlich war der Himmel nicht hell genug, sodass in diesen Bereichen das analoge Freistellen nicht zu hundert Prozent funktioniert. 

Bei der letzten Doppelbelichtung diente eine Kirche als erstes Motiv. Danach wurde ein Rosenbusch fotografiert. Hier ist die Polaroid in Sachen Fokussierung an ihre Grenzen gekommen: die Rose, die fokussiert wurde, ist unscharf. Dafür sind die Blätter und Äste, die etwas weiter weg von der Linse waren, scharf. Wie beim vierten Versuch ist auch hier das „Muster“ im Himmel zu erkennen. 

Die Versuche haben gezeigt, dass die Doppelbelichtung mit einer Sofortbildkamera gut funktionieren. Vorausgesetzt es werden wirklich freistehende Objekte genommen. Sobald es dunklere Bereiche im ersten Motiv fotografiert werden, werden diese auch beim zweiten Foto mit belichtet. Ein weiterer Punkt, der sehr spannend ist, ist das kurze Warten auf das Ergebnis. Nach ein paar Minuten waren alle Polaroids entwickelt. Außerdem finde ich die Farben und den Look der Fotos sehr ästhetisch und ansprechend. Die Grün- und Rottöne passen super zum grauen Asphalt. Hier hat sich also gezeigt, dass sich auch unterschiedlich farbliche Motive mit der Kamera fotografieren lassen können und ein Bearbeiten nicht notwendig ist. Das wäre hier in diesem Fall auch nicht gedacht, da keine digitalen Dateien existieren. 

Abbildung 1: durchgeführte Doppelbelichtungen mit einer Sofortbildkamera

Bildnachweis:
Abbildung 1: Miriam Rein

Analoge Doppelbelichtung – Failed?

Zentraler Bestandteil der Recherche ist die Gegenüberstellung von analoger und digitaler Fotografie. Da im letzten Eintrag die digitale Doppelbelichtung thematisiert wurde, handelt nun dieser Blogeintrag um die analoge Fotografie. Als Unterschied dazu wurden Fotografien mit der analogen Spiegelreflex compact-reflex der Marke Porst erstellt (s. Abbildung 1). Bisher habe ich kaum Erfahrungen mit analoger Fotografie gemacht und mich nie wirklich damit beschäftigt. Ab und zu nutze ich analoge Einwegkameras. Doch bei diesen Kameras ist es kaum möglich, individuelle Einstellungen vorzunehmen und sie an die Lichtverhältnisse anzupassen. Die Kamera, die ich jetzt nutze, gehörte meinem Opa, der Fotograf war und sich bestens damit auskannte. Leider kann er mir die Technik und Funktionen nicht mehr erklären, so beschäftige ich mich selbst damit, eigne mir das Können selbst an und nutze sein Equipment weiter. 

Verwendet wurde ein 24er Film der Marke Kodak mit der ISO 400. Nachdem der Film voll war, brachte ich ihn zum Entwickeln – und dann passierte genau das, was bei digitaler Fotografie nie der Fall ist: Der Film wurde womöglich falsch belichtet, nicht richtig weitergedreht oder die Kamera wurde nicht richtig eingestellt. Denn von den 24 Fotos kamen nur 5 entwickelte Bilder zurück, auf denen teilweise kaum was zu erkennen ist. 

Doch genau das macht analoge Fotografie aus. Tage auf das Ergebnis zu warten und dann bemerken, dass etwas nicht geklappt hat. Das Ergebnis ist anders als erwartet, trotzdem hat es für mich funktioniert. Ich möchte nicht von „falschen“ Fotos sprechen, denn solche Fotos hätte ich nie mit der digitalen Kamera machen können. Das Ergebnis ist etwas unerwartetes und für mich sehr spannend, da es die kreative Arbeit ankurbelt und in eine unbekannte Richtung lenkt.

Da alle Bilder einen „Fehler“ aufweisen, passen sie in irgendeiner Weise sehr gut zusammen. Schwarze Bereiche kennzeichnen die Fotos. Auffallend sind die Fotos 1 und 2, denn sie zeigen das selbe Motiv (s. Abbildung 2). Es scheint so, wie wenn der Film ein wenig verrutscht ist und das Motiv „gecuttet“ wurde – zwei analoge Puzzleteile also (s. Abbildung 3). Bei den Fotos 2, 3 und 4 gibt es einen schwarzen Verlauf (s. Abbildung 4), das Foto 1 ist wiederum durch eine harte Kante gekennzeichnet und zu zwei Drittel dunkel. Bei Foto 5 ist der Lichteinfall und Bäume zu erkennen, alles andere ist ebenfalls sehr dunkel (s. Abbildung 5). 

Die analogen Bilder wurden gescannt, also am Ende doch digitalisiert. Dieser Arbeitsschritt ist unumgänglich, sonst wäre das Erstellen des Posts nicht möglich gewesen.

Abbildung 1: Porst compact-reflex
Abbildung 2: Foto 1 und 2
Abbildung 3: Foto 1 und 2 zusammengefügt
Abbildung 4: Foto 3 und 4
Abbildung 5: Foto 5

Bildnachweise:
Abbildung 1 – 5: Miriam Rein

Digitale Doppelbelichtung

Dieser Blogeintrag widmet sich dem Thema „Überlagerung“. Die Grundlage für das Experiment ist das Übereinanderlegen zweier Ebenen bzw. Fotos. Die Systemkamera XT-3 der Marke Fujifilm besitzt einen Doppelbelichtungsmodus. Hierfür werden zwei Fotos nacheinander geschossen und übereinander gelegt. Dieser Arbeitsschritt wird direkt in der Kamera erledigt, d.h. es ist kein Programm wie beispielsweise Photoshop nötig. Das doppelbelichtete Foto wird dann als JPG abgespeichert. Eine weitere Einstellung, für die die Marke Fujifilm bekannt ist, ist das Einstellen eines Filmprofils. Verschiedene Voreinstellungen für Farbe, Helligkeit, Farbtemperatur etc. können bereits ebenfalls in der Kamera festgelegt werden. Beim Aufnehmen eines Fotos werden zwei Dateiformate gespeichert: das RAW (Filmprofil und Farbeinstellungen werden nicht übernommen) und das JPG (Filmprofil und Farbeinstellungen werden übernommen). Da ich für die XT-3 das Filmprofil „Classic Chrome“ verwende, sind alle Fotos im JPG-Format im Grunde genommen schon ein wenig bearbeitet, das das Filmprofil „Classic Chrome“ auf die JPGs angewendet wird. Daraus folgt, dass ein doppelbelichtetes Fotos ebenfalls aus zwei bearbeiteten Fotos besteht. Das Filmprofil „Classic Chrome“ steht für helle Schatten, weiche Übergänge und Kanten und sanfte Kontraste. 

Vorgehensweise
Für die digitale Doppelbelichtung wurden Pattern verwendet, die in der Natur oder im öffentlichen Raum vorkommen. Das erste Bild besteht aus Gras und Kopfsteinpflastern. Das zweite Bild setzt sich aus einem Foto eines Baumes und eines Asphalts zusammen, das bereits an eine Körnung erinnert. Das dritte Bild besteht aus einem Foto von kleinen Fließen und eines Gebäudes. 

Nach dem Aufnehmen der Doppelbelichtung wurden die JPGs in Photoshop weiter bearbeitet. Auch hier wurde die Thematik der Überlappung aufgegriffen. Eine Farbfläche wurde über das Bild gelegt, das den Farbton der Durchschnittsfarbe des Bildes hatte. Anschließend wurde für diese farbliche Ebene unterschiedliche Füllmethoden angewandt:

1: Original doppelbelichtetes Foto
2: Anpassung der Helligkeit 
3: Füllmethode: Farbig nachbelichten
4: Füllmethode: Farbig abwedeln
5: Füllmethode: Hart mischen
6: Füllmethode: Farbton

Abbildung 1: Doppelbelichtung 1

Abbildung 2: Bearbeitung der Doppelbelichtung
Abbildung 3: Doppelbelichtung 2
Abbildung 4: Bearbeitung der Doppelbelichtung
Abbildung 5: Doppelbelichtung 3
Abbildung 6: Bearbeitung der Doppelbelichtung

Durch die experimentelle Vorgehensweise entstanden nicht vorhersehbare Fotos, die alle durch die gleichen Arbeitsschritte erstellt wurde. Die Technik der Doppelbelichtung wurde hier nun digital mit der Systemkamera durchgeführt, sie stammt aber aus den Analogfotografie. Die analoge Doppelbelichtung wird Thema der nächsten Blogeinträge sein. Nach der Durchführung weiterer Experimente können dann Rückschlüsse gezogen werden und die Ergebnisse mit einander verglichen werden.

Bildnachweise:
Abbildung 1 – 6: Miriam Rein

Analogfotografie: Wie entsteht aus einem Negativ ein Fotoabzug?

Nach der Recherche ist vor der Recherche: Letztes Semester widmete ich mich der Fotografie als Teil der visuellen Sprache. Ich warf einen Blick auf die Entwicklung der Digitalisierung, beleuchtete verschiedene Bildtheorien und das Verhältnis vom Bild zur Realität. Diese Beziehung hatte sich Grundlegend geändert – die digitale Kameratechniken und die Einführung des Smartphones ermöglichten viele, neue und vor allem einfachere Wege, ein Foto reproduzieren, bearbeiten und vergrößern zu können. 

Nun möchte ich mich (vorerst) im Bereich der Analogfotografie aufhalten und zum gegebenen Zeitpunkt verschiedene Experimente durchführen. Doch bevor ich mich dem widme, möchte ich zuerst das Vorgehen verstehen. Wie funktioniert analoge Fotografie? Was passiert in der Kamera? Und wie wird aus einem kleinen Negativ ein vergrößertes Foto? 

Wie der Begriff „Analogfotografie“ verrät, handelt es sich um eine „sinngemäße Übertragung“ (von. griech. „aná“ = gemäß und „lógos“ = Wort, Maß, Denken, Vernunft).1

In einer analogen Kamera befindet sich ein Filmstreifen, der mit Silberhalogenidkristalle überzogen ist. Diese dünne Schicht ist sehr lichtempfindlich. Das Licht spielt die zentrale Rolle in der analogen (und natürlich auch in der digitalen) Fotografie. Ohne Licht kann kein Bild existieren, da komplette Dunkelheit nur schwarz bedeutet. Sobald das Licht durch das Öffnen der Blende auf den Filmstreifen trifft, wird dieser belichtet. D.h. eine chemische Reaktion findet statt und ein Abdruck wird in die Emulsion gebrannt. Ein latentes (von griech. „latens“ / „latere“ = verborgen sein) Bild wird erzeugt.2 Ein Film ist dann komplett belichtet, wenn die gesamte Rolle einmal durchgelaufen ist. Es gibt unterschiedliche Formate und Größen eines Filmes. Je nach dem kann eine bestimmte Anzahl an Fotos mit einem Film aufgenommen werden.  

Abb. 1: Ein vollbelichteter Filmstreifen
Quelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/vintage-klassisch-retro-analog-9858905/

Die chemische Reaktion bei analoger Fotografie

Das Fotopapier besteht aus Celluloid, darauf ist eine Schicht aus Gelatine und Silberbromid, welche zuständig für die Färbung des Papiers ist. Darauf ist eine Schutzschicht aus Gelatine, die das Foto vor Kratzern und Schmutz schützt. Die Emulsion besteht aus Silberbromid, manchmal auch Chlorid. Die Mikrokristalle, die darin enthalten sind, sind gleichmäßig verteilt. Wenn Licht auf die Bromidionen trifft, wird ein Elektron energetisch angehoben und von Silberionen aufgenommen werden. Dadurch entsteht elementares Silber und weitere Silberteile können sich dort anlagern. Ein Silbercluster oder ein „Latentbildkeim“ entsteht.3

Der nächste Schritt ist die Entwicklung

Der Entwickler ist ein Stoff, der gut Elektronen abgibt. Aus den Silberionen entsteht elementares Silber. Die Silbercluster befinden sich an den Stellen, auf denen zuvor sehr viel Licht eingetroffen ist. Dort läuft nun eine schnelle Reaktion ab und weitere Ionen, die sich in der Nähe befinden, werden zu Silber. Somit wird das Bild langsam sichtbar. Der Vorgang muss ab einem bestimmten Zeitpunkt gestoppt werden, da ansonsten die Reaktion immer weiterläuft und das Bild unkenntlich gemacht wird. Das Foto wird deshalb in ein sog. „Stoppbad“ gelegt. Alle Stellen, die vorher belichtet wurden, sind nun schwarz gefärbt. Die Silberionen müssen noch in der Fixierung abgewaschen werden, um eine erneute Reaktion verhindern zu können. 

So entsteht ein Negativ, das auf ein neues Fotopapier gelegt und kurz belichtet wird. Das Fotopapier wird ebenfalls entwickelt und ein Positiv, also ein Abzug des Fotos, entsteht. 

Farbfotos können auf die gleiche Art und Weise entwickelt werden. Der Unterschied hier ist, dass es verschiedene Schichten für Farben im Fotopapier gibt, die unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Außerdem wird das Fotopapier etwas anders hergestellt und aufbereitet.4

Abb. 2: Geöffnete Analogkamera mit eingelegtem Film in der Filmkammer.
Quelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/nahaufnahmefoto-der-analogen-kamera-3693701/

Quellen:

1   Vgl. https://www.duden.de/rechtschreibung/analog_Adjektiv#herkunft – Zugriff am 13.04.2022

2  Vgl. „Analoge Fotografie – Grundlagen und Tipps“. https://www.pixolum.com/blog/fotografie/analoge-fotografie-grundlagen-und-tipps – Zugriff am 13.04.2022

3  Vgl. „Wie werden Fotos entwickelt?“ Chemie – Simpleclub. https://www.youtube.com/watch?v=nxMl_DvMOvk – Zugriff am 14.04.2022

4 Vgl. ebd.

Husserl & Barthes: einflussreiche Bildtheorien

Der letzte Blogeintrag handelte von der Entwicklung der Fotokamera und warf einen Blick auf die geschichtlichen Ereignisse. Anfangs wurden noch Unikate – besondere Einzelstücke – produziert und heute ist eine unendlich große Vervielfältig der Fotos möglich. Doch wie genau verhält sich das Abgebildete (Objekt / Person / Landschaft etc.) mit dem Realen? In welcher Beziehung stehen Foto und Realität? Es gibt unterschiedliche Bildtheorien, die von bekannten Philosoph*innen definiert und ausgearbeitet wurden. Teilweise überschneiden sie sich oder widersprechen sich sogar. Eine bekannte Bildtheorie ist die des namhaften Vertreters der Phänomenologie Edmund Husserl. 

Edmund Husserl
Bis in die heutige Zeit gilt seine phänomenologische Bildtheorie aus dem Jahr 1952 als einer der grundlegendsten. Er unterschied das Wahrnehmungsbewusstsein vom Bildbewusstsein. Beim Wahrnehmungsbewusstsein sind die Gegenstücke „leibhaftig“ wobei beim Bildbewusstsein das intendierende Objekt durch dessen Repräsentanten vermittelt wird. Hierbei unterscheidet er zwischen drei Elementen: 

A – der physischer Gegenstand, der leibhaftig wahrgenommen werden kann
B – das Bildobjekt, welches sichtbar auf dem Bild / Foto erscheint
C – das Bildsujet, das durch das Bildobjekt dargestellt wird

Die Elemente stehen in einer Beziehung zueinander und sind miteinander verbunden. Doch gleichzeitig stehen sie auch im „Widerstreit“. Ein Differenzbewusstsein ist für die Betrachtung des Bildobjekts und des Bildsujets notwendig. „Selbst wenn sich beide völlig ähnlich sind, wird dadurch das eine noch nicht zum Bild des anderen.“1

Husserl untermauerte diese Unterscheidung und nahm hierfür ein Foto seiner Tochter als Beispiel. Der physische Gegenstand (gerahmtes Emulsionspapier) ist der Bildträger. Das Bildobjekt ist das Bild der Tochter im Rahmen und das Bildsujet ist die reale Tochter. 

Diese Theorie grenzt sich gleichzeitig nach zwei Seiten ab. Zum einen gibt es den Unterschied zur naturalistischen Abbildtheorie. Grund dafür ist, dass Bildsujet und Bildobjekt nicht ein und dasselbe sind. Es sind zwei verschiedene Dinge d.h. sie sind nicht identisch. Es gibt das Bildsujet und das Bildobjekt. Beim Beispiel der Tochter wird es deutlich: Die reale Tochter unterscheidet sich vom eingerahmten Bild. Je nach Ausschnitt und Betrachtung wird das Bild anders wahrgenommen und in einen anderen Kontext gesetzt. Die Wahl des Abschnittes kann auch den Fokus lenken, etwas bestimmtes hervorheben und etwas anderes abschneiden bzw. nicht abbilden. Die reale Person ist immer ganz zu betrachten: zu erkennen ist eine Seite bzw. ein Blickwinkel. Zum Anderen grenzt sich Husserl auch gegen die Semiotik ab, bei der das Zeichenbewusstsein nötig ist. Das Bild der Tochter befindet sich im Bildträger, die reale Tochter wird durch das Bildobjekt abgebildet. Hierfür spielt das Sehen die zentrale Rolle. Durch das Zeichenbewusstsein befindet sich die reale Tochter außerhalb des Bildobjekts und das Lesen ist hier die zentrale Rolle. 

Doch es gibt auch Überschneidungen, da Bild und Zeichen in der Phänomenologie als Zeichen interpretiert werden können. Da Bildbewusstsein beschränkt sich nicht nur auf Zeichen. Auch Bilder können einen Teil davon sein.  

Da Husserl nicht die einzige Bildtheorie entwickelte, wird nun im zweiten Teil des Eintrages auf Roland Barthes eingegangen. Er wurde bereits im letzten Blogpost zitiert, da er folgende Erklärung für die Fotografie niederschrieb: Ein Foto bildet ein Objekt ab, das vor der Kamera gewesen sei und tatsächlich so existiert habe.2

Roland Barthes
In einem weiteren bekannten Essay „Rhetorik des Bildes“ aus dem Jahr 1967 beschreibt Roland Barthes das Verhältnis zwischen Bild und vermittelten Botschaft. Er begründet es mit der Semiotik, die Teil des Bildes ist und dadurch einen Sinn verleiht. Barthes stellt sich die Frage, wo dieser Sinn beginnt und wo er aufhört. Dabei haben die symbolische und die buchstäbliche Nachricht in einer „linguistischen Nachricht“ eine Funktion und definieren im Bild das Verhältnis zueinander. Die symbolische Nachricht wird auch „kodiert bildliche Botschaft“ genannt und mit dem Überbegriff der „Konnotation“ definiert. Die buchstäbliche Nachricht hingegen bezeichnet er als „Denotation“, die „nicht kodiert bildlich“ ist.3 Ein Bild setzt sich aus der gesendeten und empfangenen linguistischen Nachricht zusammen. Außerdem hängt die empfangene Nachricht auch vom kulturellen und ästhetischen Wissen der betrachtenden Person ab. Die linguistische Nachricht eines Bildes ist des Weiteren eine Interpretation der*des Betrachter*ins.5 Im Essay nimmt Barthes eine Anzeige des französischen Pasta-Herstellers Panzani als Beispiel und beschriebt dieses wie folgend: “Spaghettipäckchen, eine Dose, ein Beutel Tomaten, Zwiebeln, Paprika, ein Champignon – das ganze in gelber und grüner Farbe auf rotem Grund –, fällt aus einem halboffenen Netz.“26

Werbeanzeige des Pasta-Herstellers Panzani diente als Grundlage des Essays “Rhetorik des Bildes”, 1967.
Quelle: https://www.researchgate.net/figure/Panzani-Pasta-Ad-Barthes-1968_fig2_262254969

Bilder vermitteln also eine Botschaft, die auf mehreren Ebenen funktioniert, entschlüsselt und verstanden werden kann. Fotografie befindet sich deshalb in einer Dreiecksbeziehung zwischen Produzent*in – Objektivation – Rezepient*in.6 Das Foto an sich ist ein physisches Objekt, das durch das Zusammenspiel aus lichtempfindlicher Datenträger, Optik und Kameratechnik entstehen kann (Abgesehen davon, dass es heute digitale Bilder gibt, die nicht physisch sein müssen). Entscheidend ist das Licht, das bei der Herstellung auf das lichtempfindliche Material (den digitalen Sensor) trifft und dadurch das Bild erschafft. Da die*der Empfänger*in das Bild betrachten kann, bildet die Person das dritte Glied in der Triade. 


Die Recherche über die Bildtheorien stellte sich als sehr vielschichtig heraus. Sehr spannend, wie ein normales und alltägliches Medium für mich sehr abstrakt beschrieben werden kann. In die einzelnen Bestandteile zerlegt, wirkt eine Fotografie sehr trivial. Durch den Medienkonsum heute und die Möglichkeit, Bilder mit dem Smartphone zu jedem Zeitpunkt an jedem Ort machen zu können, hat sich die Besonderheit eines Bildes sehr gewandt. Es ist ein gewöhnliches Mittel geworden. Gegen den Bildtheorien wirken (digitale) Fotos aus der heutigen Zeit sehr banal. Auf mich wirkt es interessant, wie Bild und Objekt zueinander stehen. Im diesem Kontext ist eine Fotografie immer ein Abbild der Realität. 


Quellen:


1 Eberle, Thomas S.: Fotografie und Gesellschaft. Thematische Rahmung. In: Fotografie und Gesellschaft. Phänomenologische und wissenssoziologische Perspektiven. Eberle, Thomas S. (Hrsg.), transcript Verlag, Bielefeld, 2021, S. 25
2 Barthes, Roland: Fotografie als Botschaft. 1961. In: Der entgegenkommende und der stumpfe Sinn, Barthes, Roland (Hrsg.): Frankfurt a. M., 1990, S. 14.
3 Vgl. Weingart, Brigitte: Where is your rupture? Zum Transfer zwischen Text- und Bildtheorie. In: Die Adresse des Mediums. Andriopoulus, Stefan et al. (Hrsg.), DuMont Buchverlag, Köln, 2001, S. 142
4 Ebd.
5 Vgl. Gabriele Röttger-Denker: Roland Barthes zur Einführung. Junius Verlag, 2. Auflage, 1997, S 133
6 Eberle, 2021, S. 26

Vom Unikat zur Massenreproduktion

Der letzte Blogeintrag widmete sich dem neuen Thema: Fotografie als visuelle Sprache im Grafik Design. Nun wird ein Blick auf die geschichtliche Entwicklung geworfen, um zu verstehen, weshalb Fotografie zum Massenmedium wurde. Der zweite Teil widmet sich der gesellschaftlichen Verbreitung des Fotografierens sowie den Unterschieden zwischen Amateur- und Profifotografie.

Zuerst wird nun erklärt, welche Merkmale Fotografien auszeichnen. Es ist schwer und kaum möglich eine generelle Definition dafür zu finden. Doch kaum eine andere Person wird in diesem Zusammenhang häufiger genannt als Roland Barthes. In seinem bekannten Foto-Essay „Die helle Kammer“ beschreibt er Fotografie als „Emanation des vergangen Wirklichen“1. Zuvor definierte er Fotografie „als mechanisches Analogon des Wirklichen“.2 Der indexikalische Charakter zeigt, dass das abgebildete Objekt vor der Kamera gewesen sei und tatsächlich existiert habe.3 Auch wenn uns heute und auch schon vor ein paar Jahrzehnten bewusst gewesen war, dass Fotos manipuliert werden können, nimmt man an, dass sie etwas Vergangenes – etwas „Echtes“ – visuell darstellen. Auch bestimmte Bildausschnitte, die den Fokus auf etwas lenken, oder redaktionelle Veränderungen können die Representation der Wirklichkeit verändern. All das ist uns bewusst und bekannt, jedoch hindert es den Gedanken nicht, dass Fotografie die Wirklichkeit zeigt.

Die Aussage und die politische Bedeutung dieses Bildes nahm Einfluss auf den Wahlkampf: King Georg VI wurde aus dem originalen Bild mit Queen Elisabeth (Mutter von Queen Elisabeth II) und dem kanadischen Premierminister William Mackenzie entfernt. 
Quelle: http://www.fotokurs-bremen.de/fotografie-und-bildmanipulation-sind-untrennbar-miteinander-verbunden/

Doch wie kam es dazu, dass Fotografien manipuliert und verändert werden können? Hierfür ist ein Blick auf die geschichtliche Entwicklung notwendig.
Das Jahr 1839 prägte die Erfindung der Fotografie, da zwei Ereignisse stattfanden, die den Weg für die Fotografie ebneten. Louis J. M. Daguerre stellte in Paris ein modernes Bildaufzeichnungsverfahren – die Daguerreotypie – vor. In Deutschland wurde im selben Jahr auch der Begriff der „Photographie“ geprägt. Die erste erfolgreich aufgenommene und erhaltene Fotografie wurde von Joseph Nicéphore Niépce mit Hilfe einer Camera obscura 1826 hergestellt. Hierbei fällt Licht durch eine winzige Öffnung in einen dunklen Hohlkörper und erzeugt seitenverkehrt und auf dem Kopf stehend den Außenraum auf der Projektionsfläche. Diese Fläche bestand aus Zinn und wurde durch eine Schicht aus Asphaltmischung heller oder dunkler ausgehärtet. So konnte das erste Foto der Welt entstehen. 

William Henry Fox Talbot entwickelte das Negativ-Positiv-Verfahren und so stand der technischen Fortschritten in den folgenden Jahrzehnten nichts mehr im Weg.4 Die Möglichkeit, vom selben Bild mehrere Abzüge machen zu können, war die Grundlage für die gesellschaftliche Verbreitung der Fotografie. Die amerikanische Firma Kodak stellte im Jahr 1888 die tragbare Kamera „Kodak Nr. 1“ vor. Der belichtete Film konnte an die Firma geschickt werden, die daraus Abzüge erstellte. Der Fotoservice gilt als Grundstein für die gesellschaftliche Verbreitung der Fotografie. 

You press the Button. We Do the Rest.

Slogan der Firma Kodak, 1888 5

In den folgenden Jahrzehnten wurden die reproduktionstechnischen Voraussetzungen weiter optimiert. 1924 stellte die Firma Leica eine handliche Kleinbildkamera vor, gefolgt von Ermanox, Rolleiflex und Hasselblad. Ab den 1960er Jahren wurden von Pentax, Nikon und Canon weitere Modelle eingeführt. Kodak festigte dessen Marktanteil mit der Einführung der „Kodak Instamatic“, bei der Filme als Kassetten sehr leicht eingesetzt und gewechselt werden konnten. In 20 Jahren wurden mehr als 150 Mio. Kameras gekauft – ein absoluter Verkaufsschlager. Ein weiterer Meilenstein ist der erste digitale Bildsensor, der 1969 entwickelt wurde. 

Links: Kodak Nr. 1
Rechts: Kodak Instamatic
Quelle: https://www.kodakmoments.eu/de/kodak-historie/

Was die digitale Revolution bewirkte, ist offensichtlich. Doch erst um die Jahrtausendwende erlebte die Massenproduktion an Digitalkameras und Spiegelreflexkameras einen Aufschwung. Die digitalen Medien heute vereinfachen die Erstellung und Verbreitung der Fotos, nahezu jede Person trägt eine kleine Kamera am Smartphone in der Hosentasche. Mittlerweile sind oft auf den ersten Blick kaum Unterschiede zwischen Fotos der neuesten Generation der Smartphones zu Fotos von professionellen Kameras zu erkennen. Die technischen Möglichkeiten der Smartphones werden immer besser. Doch was sich immer noch vom professionellen Fotograf*in zu*r Hobbyfotograf*innen und Knipser*innen unterscheidet, ist die Kompetenz. Amateur*innen nutzen oft die automatischen Einstellungen und sind mit Schnappsüssen, auch wenn leicht überbelichtet oder verwackelt, zufrieden. Dagegen spielen Profifotograf*innen gekonnt mit der Perspektive, Blickwinkel, den Einstellungen wie ISO-Wert, Blende und Belichtungszeit. Sie beherrschen ihr technisches Produkt bis ins kleinste Detail und schöpfen sie zum Zwecke der Bildgestaltung voll aus.6 Aus der unvorstellbaren Anzahl an Fotos, die täglich geknipst und im Internet veröffentlicht werden, ist es sehr schwer, sich von der breiten Masse abzuheben. Amateure entwickeln immer höhere Ansprüche, doch Originalität und Ästhetik zeichnen besondere Fotos aus. 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Fotografie, wie wir sie heute kennen, einen langen Entwicklungsprozess durchgemachte. Jedoch haben bedeutende Meilensteine – wie die Erfindung der Reproduzierbarkeit und Vervielfältigung sowie die des technischen Bildsensors – die Entwicklung vorangebracht.
In der Geschichte der Fotografie entstanden neben Alltags- und Profifotografie auch Kunstformen und Bildtheorien, die im nächsten Blogeintrag betrachtet werden.  


Quellen:

1 Barthes, Roland: Die helle Kammer. Bemerkungen zur Fotografie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M., 1989, S. 98
2 Barthes, Roland, Fotografie als Botschaft. 1961. In: Der entgegenkommende und der stumpfe Sinn, Barthes, Roland (Hrsg.): Frankfurt a. M., 1990, S. 14.
3 Ebd.
4 Raddatz, Christoph: Bildmanipulation aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts, Vertrauensverlust durch mediale Täuschungen der Rezipienten. Bachelorarbeit, Fachbereich Medien, Hochschule Mittweida, 2009, S. 9 f.
5 “125 Jahre Kodak Moments”, https://www.kodakmoments.eu/de/kodak-historie/ – Zugriff am 24.01.2022
6 Eberle, Thomas S.: Fotografie und Gesellschaft. Thematische Rahmung. In: Fotografie und Gesellschaft. Phänomenologische und wissenssoziologische Perspektiven. Eberle, Thomas S. (Hrsg.), transcript Verlag, Bielefeld, 2021, S. 15

Visuelle Sprache im Bezug auf Grafik Design

Kill your darlings. Nachdem die Recherche über Zucker und Konsumverhalten nicht den gewünschten kreativen Workflow erbracht hatte, ist es nun Zeit das Thema zu wechseln und sich auf ein neues zu konzentrieren. 

Nun wird die Fotografie als Visuelle Sprache im Grafik Design untersucht. Ziel ist es, die verschiedenen Teilgebiete der Fotografie zu betrachten. Bevor ein Blick auf die Amateur- und Analogfotografie geworfen wird, wird die Visuelle Sprache als solches untersucht. Vielleicht ergeben sich während der Recherche wichtige Rückschlüsse auf das Thema Zucker – denn geplant ist, dass Food Photography und Produktfotografie ebenfalls untersucht werden. Deshalb ist eine Kombination aus diesem Thema und dem bisher recherchierten durchaus möglich. 

Als Visuelle Sprache wird eine Form der Kommunikation bezeichnet, die im Gegensatz zur formalen Schriftsprache visuelle Elemente verwendet. Diese Elemente werden gezielt eingesetzt, um eine Idee oder eine Bedeutung visuell zu vermitteln. Beispielsweise können das Linien, Formen, Farben, Texturen und Muster sein, die in bestimmten Skalierungen, Winkel und Proportionen ausgerichtet werden. Die Elemente der visuellen Kommunikation repräsentieren dabei Konzepte im räumlichen Kontext. Sprechen und Lesen basieren auf einem zeitlich linearen Ablauf, wobei die visuelle Kommunikation auch parallel funktioniert. Oftmals werden Infografiken gezielt eingesetzt, da sie mittels Diagrammen, Karten und Symbolen einen bestimmten Inhalt vermitteln und aussagekräftige Beziehungen visualisieren. So können komplexe Daten auf eine prägnante Weise dargestellt werden.

Die Infografik stellt komplexe Daten auf einfache Art dar.  
Quelle: https://www.visualcapitalist.com/wp-content/uploads/2018/05/world-of-languages-large.png

Das Visuelle Denken gehört ebenfalls zur Visuellen Sprache und dient als Grundlage im Entwurfs- und Gestaltungsprozess bei Designern. Skizzen, Scribbles und Zeichnungen dienen als Hilfsmittel und visualisieren den kognitiven Denkprozess. Außerdem vereinfacht das Visuelle Denken Kommunikationsprozesse, in dem eine Idee, die Fragestellung und die möglichen Lösungsansätze visualisiert werden.1 Die angeborene Begabung unterstützt die Fähigkeit, Probleme zu lösen, die Phantasie und die Kreativität. Weiterführend ist die Synästhesie zu nennen, bei der verschiedene Gehirnbereiche auf besondere Art und Weisen miteinander verbunden sind. Dadurch werden bestimmte Wahrnehmungsphänomene und Denkprozesse ermöglicht. Synästhetische Wahrnehmungen zum Beispiel sind farbiges Hören oder konsistente Zuordnen von Farben zu bestimmten Buchstaben oder Zahlen.2

Ein weiterer Teil des Visuellen Denkens umfasst die Semiotik. Auch als Zeichentheorie bekannt, arbeitet die Visuelle Sprache auf einer symbolhaften Ebene mit Elementen und Bilder, bei denen immer der soziale und kulturelle Hintergrund berücksichtigt werden muss.3 Das Gehirn interpretiert das Wahrgenommene und nimmt das empfangene Signal in einer Form von Emotion, Handlung oder Gedanken auf. Die Semiotik ist ein wichtiger Teil der Kommunikationssysteme, denn dadurch kann der zu vermittelnde Inhalt mithilfe der der symbolhaften Ebene aufgenommen und verarbeitet werden.

Bei Logos werden oft Symbole eingesetzt, da sie eine prägnante Abbildung eines Objektes sind.
Quelle: https://www.instagram.com/p/CYU8XJehlyL/

Die Visuelle Sprache lässt sich also in verschiedenen Teilbereichen gliedern, die alle miteinander verbunden sind. Wie bereits erwähnt, spielen Formen, Farben und Symbole dabei eine wichtige Rolle. Im Design wird stets Inhalt und Information vermittelt, die im Zusammenspiel mit einer Visuellen Sprache eine eigene Inhaltsebene erzeugen. Unterstützt wird diese Inhaltsebene oft mit fotografischen Elementen oder Bildern. Dieser Aspekt wird in den folgenden Blogposts betrachtet, damit verständlich wird, weshalb Fotografie als Teil der Visuellen Sprache gesehen wird. 


Quellen:

1 Vgl. Diefenbach, Marc: Workbook Visuelles Denken. Ideen generieren, Kundenskizzen anfertigen, Schibbeln schnell gestalten. BoD – Books on Demand (Hrsg.), 2013, S. 6
2 Vgl. Deutsche Synästhesie Gesellschaft e.V.: Was ist Synästhesie? http://www.synaesthesie.org/de/synaesthesie – Zugriff am 05.01.2022
3  Vgl. Fellbaum, Klaus: Sprachverarbeitung und Sprachübertragung. 2. Auflage, Springer Vieweg, 2012, S. 10

Zucker zaubert – Ein Vergleich von Werbespots

Im letzten Blogeintrag steht beschrieben, weshalb Kinder als eigene Zielgruppe im Marktsektor Lebensmittel gesehen werden und welche Marketingstrategien gezielt eingesetzt werden. Dieser Blogeintrag ist eine kleine Zeitreise durch die Werbewelt: Es werden ausgewählte Werbespots- und Videos aufgeführt und beschrieben. Anschließen folgt eine Zusammenfassung und ein Vergleich der Werbeaussagen. 

Südzucker: Zucker ist gesund und macht schlank (1954)

Vor knapp 70 Jahren wurde dieser Werbesport des Zuckerherstellers Südzucker ausgestrahlt. Der Werbeclip enthält folgenden Sprechertext:

Ach, wär’ das Leben traurig, gäbe es keinen Zucker mehr
Kinder hätten keine Freude, keine Lust zum Spielen mehr
Zucker zaubert
Zucker zaubert Energie – seht ihr? So gedeihen sie
Ach, wär’ das Leben hässlich, gäbe es keinen Zucker mehr
So ein hübsches, junges Mädchen wäre dicklich, rund und schwer
Zucker zaubert
Ihre Linie bleibt so schlank wie eine Pinie
Das lässt sich beweisen
Zucker zaubert – Nehm’ deshalb mehr

Zu Beginn wird die weibliche Hauptfigur als Kleinkind gezeigt, das keine Lebensfreude mehr empfindet (0:00 – 0:10). Darauf folgend wird der Zuckerkonsum visualisiert und das kleine Mädchen wächst zu einer Frau heran. Dargestellt in Unterwäsche wird sie zum Symbol von Wachstum und Weiblichkeit (0:10 – 0:17). Die nachfolgende Szene zeigt die Frau glücklich und selbstbewusst – das Lebensgefühl, welches sie nur mit dem Zuckerkonsum erreichen konnte (0:18 – 0:24). Als Vergleich wird anschließend die Hauptfigur „dicklich, rund und schwer“ dargestellt, würde es keinen Zucker geben (0:25 – 0:28). Zum Schluss wird nochmals die selbstbewusste, gesunde Frau gezeigt und der Werbeslogan „Zucker zaubert“ eingeblendet (0:29 – 0:39).


Mars: Mars ersetzt verlorene Energie (1962)

Ein weiteres Beispiel ist der Werbespot für den Schokoriegel Mars, der 1962 ausgestrahlt wurde. Folgender Sprechertext verspricht ebenfalls mehr Energie und Lebensqualität:

Halb Acht, halb Neun, halb Zehn, halb Elf – jetzt erst mal Mars
Ja, Mars
Denn in der Candycreme ist Traubenzucker, der schenkt rasch frische Energie
In Butterkaramell ist sahnige Milch, die erhöht die Ausdauer
Und die feine Vollmilchschokolade gibt neue Kraft
Das ist Mars. Mars schmeckt köstlich
Und vor allem Mars ersetzt verlorene Energie
Ja, Mars ersetzt verlorene Energie

Der Werbespot zeigt einen Mann, der nach stundenlangem Holzsägen keine Energie mehr hat (0:11 – 0:16). Er holt aus der Tasche seiner Arbeitskleidung den Schokoriegel Mars heraus und beginnt ihn zu essen (0:17 – 0:20). Danach werden die Zutaten gezeigt. Mittels eines Strichmännchens werden verschiedene sportliche Handlungen wie Beugen, Laufen oder Gewichtheben eingeblendet (0:21 – 0:29). Danach wird der Riegel und erneut die männliche Hauptfigur gezeigt, welcher wieder voller Energie sein Holz sägen kann (0:30 – 0:38). Zum Abschluss wird nochmal der Riegel mit dem Werbeslogan„[Mars] ersetzt verlorene Energie“ eingeblendet.


Nutella: Lebensbausteine für jeden Tag (2011)

Der Werbeclip der Nuss-Nougat-Creme Nutella wurde 1984 ausgestrahlt und zeigt die vermeintliche Zusammensetzung des Aufstriches.

Zu Beginn unterhalten sich zwei Söhne über den Einkauf ihrer Mütter, bis ihnen auffällt, dass eine von beiden nicht den originalen Brotaufstrich gekauft hat (0:11 – 0:12). Danach ist ein Mann in Laborkleidung zu sehen, der folgendes erklärt (0:13 – 0:30).

[…] 
Nutella ist nicht mit jeder Nuss-Nougat Creme zu vergleichen
Nutella hat nämlich summa summarum viel Eiweiß, Kalzium und Eisen
Das sind unentbehrliche Lebensbausteine
Sie machen Nutella so wertvoll. Also, auf die Lebensbausteine kommt’s an
Nutella – Lebensbausteine für jeden Tag. 

Der dargestellte Wissenschaftler setzt die einzelnen Zutaten als Bausteine zusammen und zeigt so die Zusammensetzung der wichtigen Zutaten. Er symbolisiert damit, wie wichtig und und vor allem wie gesund dieser Brotaufstrich ist.


Nimm 2: Lachgummi (2011)

Ein anderes Beispiel für die Süßigkeitenwerbung ist der Spot für „Lachgummi” von Nimm 2, der 2011 im TV gezeigt wurde. 

Im Spot sind Kinder zu sehen, die versuchen, die Kekse im Regal zu greifen. Gleichzeitig hört man die weibliche Sprecherstimme „Am liebsten würdest du den ganzen Tag naschen. Gut, dass ich da auch noch ein Wörtchen mitzureden hab’. […]“ (0:00 – 0:10). In der nächsten Szene erhalten die Kinder die Lachgummis – „Aber wenn ich mal ‚Ja‘ sage, dann geb’ ich dir Lachgummi.“ (0:11 – 0:14). Danach ist eine männliche Sprecherstimme zu hören: „In Nimm 2 Lachgummi ist alles Gute von Nimm 2. Fruchtsaft und Vitamine.“ (0:15 – 0:19). Anschließend sind wieder die Kinder zu sehen, die glücklich tanzen und Freude am Spielen haben (0:20 – 0:26). Am Ende ist erneut die männliche Sprecherstimme zu hören: „Nimm 2 Lachgummis. Vitamine und Naschen.“ (0:27 – 0:30). 

Durch die Werbeaussagen wird deutlich, dass die Lachgummi nicht zu gängigen Süßigkeiten gehören. Vielmehr werden sie als gesund dargestellt. Auch die Handlung unterstützt die Aussage, indem die Kinder mehr Lebensfreude ausstrahlen, nachdem sie das Produkt konsumiert haben.


Viktoria und Sarina als Beispiel für Werbung bei Influencer*innen (2020)

Nun wird ein Blick auf die heutige Werbung von Süßigkeiten geworfen. Anders als bei den bisher aufgeführten TV-Werbespots, wird die Werbung für Süßwaren in Social Media Kanälen aufgezeigt und beschrieben. Da bekannte Influencer die Produkte in ihren Videos anpreisen, werden sie mittlerweile als „Junkfluencer“ bezeichnet. Teilweise wird die Werbung als solche gekennzeichnet, in anderen Fällen wird die bezahlte Werbepartnerschaft nicht genannt.1

Als Beispiel hierfür ist die unbezahlte und unmarkierte Werbung der beiden österreichischen Influencer Viktoria und Sarina zu nennen. In diesem Clip backt eine der beiden Mädchen eine Oreo-Torte, dessen Geschmack sie beide sehr loben. Häufig veröffentlichen sie Beiträge und Videos, in denen sie die Produkte offensichtlich konsumieren und nicht darauf hinweisen, dass es Werbung sei. Unklar sind die Absichten hinter dieser Veröffentlichungen. Die Reichweite und Wirkungen für potentielle Sponsoren sind jedoch sehr naheliegend.2
Link zum Video

In einem anderen Video ist Viktoria zu sehen. Sie schwärmt von den Keksen „Cere Alé“ von Ferrero Kinder und weißt zwar darauf hin, dass es sich nicht um Werbung handle („Und nein, das hier ist gerade keine Werbung – schön wär’s!“ (0:11 – 0:12)), jedoch sind Produkt und Marke deutlich zu erkennen. Nach der ersten Kekssorte – Geschmack Nuss – erwähnt sie, dass sie „gesund“ schmecken (0:22 – 0:32). Die andere Kekssorte mit Schokolade sei viel besser ( 0:33 – 0:46). 
Link zum Video

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Die technische Umsetzung der Werbung hat sich natürlich im Laufe der Jahrzehnte verändert. Anfangs im Trickfilm angepriesen, werden heute immer noch Süßwaren als im Fernsehen oder auf Social Media Kanälen umworben. Auffällig ist die Botschaft, die sich durch alle Werbespots durchzieht: die zuckerhaltigen Lebensmittel bringen Lebensfreude und Energie in den Alltag. Die Werbung löst Emotionen aus und aktiviert den Besitzwunsch. Ohne die zuckerhaltigen Produkte sei er Alltag nicht zu stemmen oder die Spielfreude kaum möglich. Besonders auffallend ist der erst genannte Werbespot von Südzucker, der offensichtlich damit wirbt, dass Zucker sogar schlank und dünn mache. Abgesehen vom Frauenbild, das gezeigt wird, dürfte dieser Spot heute nicht mehr ausgestrahlt werden, da er Eigenschaften anpreist, die das Produkt nicht besitzt.

Kinder werden häufig als Schauspieler*innen eingesetzt, um die jüngeren Zuschauer anzusprechen. Die (unmarkierte) Werbung in den Clips auf Social Media führen die Influencer*innen durch, die als Vorbild von ihren Fangemeinden gesehen werden. Globale Konzerne sowie Familienunternehmen legen viel Wert auf das Influencer*innenmarketing, um die jüngere Zielgruppe für ihre Produkte zu begeistern.4 „Sie machen sich dabei die Idol-Funktion der Influencer*innen zunutze – auf Kosten der Kindergesundheit.“5 Zwar existieren bereits Gesetze, die Verbraucher*innen schützen sollen, jedoch wird oft die Grauzone für unmarkierte Produktplatzierung ausgenutzt. 

Storytelling und emotionales Design sind wichtige Faktoren um potentielle Kund*innen mit Werbespots oder -videos anzusprechen. In jeder Hinsicht sind emotionale Aspekte grundlegend für eine erfolgreiche Werbung. Positive Gefühle werden durch die glücklichen Darsteller*innen geweckt und mit dem Produkt assoziiert. 

Quellen:

1 vgl. Foodwatch: Junkfluencer. Wie McDonald‘s, Coca-Cola & Co. in sozialen Medien Kinder mit Junkfood ködern. Junkfood Report 2021, S.14 https://www.foodwatch.org/fileadmin/-DE/Themen/Kinderernaehrung/Influencer/Webversion_Junkfluencer_Report_2021.pdf – Zugriff am 05.11.2021
2 vgl. Ebd. S. 22 f.
3 vgl. § 5 Absatz 2 Satz 2 Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz (LMSVG)
4 vgl. Foodwatch: Junkfluencer. S. 44
5 Ebd.