Wie sieht Nachhaltigkeit aus?

In den letzten Beiträgen ging es vor allem darum, dass obwohl es bereits genug Awareness gibt, Nachhaltigkeit mehr Trend ist, als tatsächlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Zum Beispiel sind Produkte in nachhaltigeren Verpackungen oder auch vegane Lebensmittel nach wie vor viel teurer als ihre umweltschädlichen Alternativen. Auch die Gestaltung ethischer Produkte (sowie jene der Green Washing Produkte) hat ein Branding, dass nicht jede*n anspricht. Doch genau dieses repräsentiert den Aktivismus gegen die Klimakrise.

a soft tone of voice, pastel colours and cute claims. No way! Sustainable brands can have a bold, fearless, unapologetic message and express it accordingly through graphic design too.2

Mario Mimoso (2021)

Natürlich haben nicht alle nachhaltigen Produkte ein pastellgrünes Blatt in ihrem Logo, trotzdem ist es wichtig zu betrachten, dass die grafische Gestaltung noch sehr oft diese Sprache spricht. Gerade plastik oder unethische Produkte generell waren in der Vergangenheit erfolgreich, weil sie einfach zu benutzen, günstig in der Herstellung und bisher in jedem Preissegment einsetzbar waren. Ein Produkt in Karton lässt für viele Verbraucher*Innen oftmals schon einen höheren Preis anmuten.1

Nachhaltige Initiativen durch unnachhaltige Unternehmen?

In der Recherche zu Initiativen für nachhaltigere Produktion, Forschung und Entwicklung von Produkten fällt auf, dass dahinter oft Unternehmen stehen, die ihr Image verbessern wollen. Beispielsweise ist die “No Waste Challenge” für Gestalter*Innen weltweit ausgerufen von IKEA. Auch das IKEA interne Research Studio Space10, hat schon einige zukunftsweisende Projekte geschaffen.3 Im vorigen Beitrag ging es auch darum, dass nachhaltige Designarbeit dann entsteht, wenn zum Beispiel ausschließlich mit den entsprechenden Kund*Innen gearbeitet wird. Wie also zu solchen Projekten stehen? Eine Interessante Meinung dazu kommt von Bruce Mau, der die Diskussion um eine nachhaltigere Designbrache vor allem mit dem Buch “Massive Change” geprägt hat. Dieser hat bereits in seiner frühen Karriere mit Coca Cola zusammengarbeitet und wurde dafür auch von vielen Seiten verurteilt. Seine Idee dazu war, das Unternehmen in seiner Vorbild Funktion zu nutzen: Wenn hier nachhaltiger produziert wird, dann folgen auch andere. Ein anderer Designer, Mario Mimoso hat ebenfalls einen Ansatz zu der Arbeit mit Kund*Innen beigetragen. In einem Interview mit “It’s Nice That”, beschreibt er, dass er zunächst versuchen würde, Kund*Innen eine ethische und nachhaltigere Route vorzuschlagen. Beim direkten Ablehnen von Aufträgen würden nur andere Gestalter*Innen nachrücken, die den Job dann nach Kund*Innenwunsch ausführen. Dann wäre auch die Chance nicht mehr da, das Unternehmen vielleicht auf den richtigen Weg zu bekommen.4

Brewer, Jenny (2021): What Design Can Do asks creatives to solve our waste problem. online auf: https://www.itsnicethat.com/news/what-design-can-do-no-waste-challenge-creative-industry-150321 (30.01.2021)



Es ist sicherlich nicht einfach die richtigen Entscheidungen bei der eigenen Arbeit zu treffen. Allerdings ist es notwendig über die unterschiedlichen Möglichkeiten nachhaltiger Designpraxis bescheid zu wissen und zu versuchen eine entsprechende Position zu vertreten. Das kann über Material, Haltung, Weiterbildung oder sozialem Nutzen passieren. Nachhaltige Gestaltung sollte keine Klischees erfüllen, sondern eine Selbstverständlichkeit sein. Um von der Nachhaltigkeit auch schließlich in eine zirkuläre Zukunft zu gehen, helfen zB im Produktdesign die Circular Design Rules. Vielleicht können ein paar davon auch für Grafik Designer*Innen hilfreich sein oder in diesem Feld eine Neudefinition finden.

– A circular product remains useful for a long time.
A circular product can be updated.
– A circular product is produced from renewable or recyclable materials.
A circular product uses as little energy as possible over its entire lifespan.
A circular product can be transported efficiently.
A circular product is more than just circular: Circularity is not puritanical – to fulfil its aims, it must also be innovative, elegant and joyful.
A circular product can be used by many.
A circular product considers those who manufacture, maintain and recycle it.
A circular product is as little product as necessary5

Quellen:
1 Boddington, Ruby (2021): Fight from the inside-out or boycott brands? How graphic designers shape a more sustainable and ethical food system. online auf: https://www.itsnicethat.com/features/how-graphic-designers-shape-a-more-sustainable-and-ethical-food-system-graphic-design-251121
2 Mimoso Mario (2021) zit. nach Boddington, Ruby (2021): Fight from the inside-out or boycott brands? How graphic designers shape a more sustainable and ethical food system. online auf: https://www.itsnicethat.com/features/how-graphic-designers-shape-a-more-sustainable-and-ethical-food-system-graphic-design-251121
3 Brewer, Jenny (2021): What Design Can Do asks creatives to solve our waste problem. online auf: https://www.itsnicethat.com/news/what-design-can-do-no-waste-challenge-creative-industry-150321 (30.01.2021)
4 Boddington, Ruby (2021): Fight from the inside-out or boycott brands? How graphic designers shape a more sustainable and ethical food system. online auf: https://www.itsnicethat.com/features/how-graphic-designers-shape-a-more-sustainable-and-ethical-food-system-graphic-design-251121
5 Diez, Stefan: Circular Design Guidelines. online auf: https://www.diezoffice.com/circular-design-guidelines/ (31.01.2022)

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