Typo und Emotionen

In einem Blogbeitrag aus dem letzten Semester hatte ich schon einmal das Thema der emotionalen Typographie aufgegriffen. In meinen letzten Recherchen komme ich auch immer wieder auf das Thema zurück und finde es sehr spannend Fonts und Schriften genauer zu untersuchen. Zu diesem Zweck bin ich auf einen Blogartikel gestoßen, der auch dieses Thema aufgreift (https://design.tutsplus.com/articles/the-psychology-of-fonts–cms-34943, 16. Mai 2020). Grace Fussell beschreibt daran dass uns unterschiedliche Fonts bezüglich der Emotionen beeinflussen können. Sie schreibt auch von “Font Psychology” und wie dadurch Logos und Brands angepasst werden können.

Einige ihrer Beispiele möchte ich für dieses Font Experiment aufgreifen. Sie schreibt unterschiedlichen Fonts bestimmte Stimmungen und Emotionen zu. Anhand eines einfachen Designs einer Karte habe ich das ausprobiert. Dazu habe ich einfach ein und dasselbe Design in unterschiedlichen Schriftarten gesetzt. Normalweise würde in den meistens Fällen wahrscheinlich eine Kombination vieler Schriftarten gewählt werden. Für diesen Zweck wollte ich aber ein ganzes Design mit einer Schriftart setzen.

Sans Serif

Serifenlosen Schriften schreibt Fussell folgende Assoziationen zu: Progressive, Informal, Open, and Friendly

Sans Serif

Serif

Stability, Tradition, Intellect, and Formality

Serif

Script & handwritten

Creative, Amusing, Fun, Childlike, and Romantic

Script & Handwritten

Display

Novel, Trail-Blazing, Unique, and Adaptable

Display

Fazit

Die von Fussell zugeschriebenen Assoziationen passen finde ich durchaus wirklich auf die unterschiedlichen Schriftarten. Jede einzelne Karte erhält dadurch eine unterschiedliche Wirkung. Im Prinzip ist das ja auch der Sinn hinter verschiedenen Schriftarten. Trotzdem ist es spannend den Unterschied einmal genauer hervorzuheben. Die unterschiedlichen Wirkungen und Einsatzmöglichkeiten von Fonts möchte ich in Zukunft auch auf jeden Fall weiter betrachten. Ob Schriftarten nun wirklich auch Emotionen hervorrufen ist schwierig zu sagen. Ich denke eher dass wie Fussell auch schreibt verschiedene Stimmungen erzeugt werden können, je nachdem welche Schriftart verwendet wird. Denn das passiert auch bei dem Design der Karte. Alle Beispiele haben eine andere Wirkung und lassen auf unterschiedliche Kontexte schließen.

Mit diesem Blogbeitrag möchte ich auch die Experimente für dieses Semester abschließen. Manche Experimente haben sehr gut funktioniert, andere eher weniger. Mir ist vor allem klar geworden, dass es nicht möglich sein wird, jedes Design emotional zu gestalten oder in jedes Element emotionale Wirkungen hineinzuinterpretieren. Für mich ist noch nicht ganz klar ob ich mit diesem Thema des emotionalen Designs auch nächstes Semester weitermachen werde. Auf jeden Fall möchte ich das Thema im Design immer bedenken.

Farben und Stimmungen

Wie schon in den letzten Blogposts klar wurde, beeinflussen Farben die Stimmung die wir aus einem Design herauslesen. Diese Stimmung kann passend zum Design und der gewollten Stimmung sein, oder auch etwas ganz anderes vermitteln als wir eigentlich wollen. Mit einem Experiment habe ich nun versucht mit Farben verschiedene Stimmungen zu erzeugen. Dazu habe ich ein Magazinlayout gewählt. Der Artikel behandelt das Thema “Regen bei Nacht” (Quelle: https://www.carpediem.life/31993/regen-bedeutung-2/). Man könnte also mithilfe des Designs nun versuchen, diese Stimmung einzufangen. Das habe ich in einem ersten Versuch ausprobiert. Durch die dunkelblaue Farbwelt könnte die richtige Stimmung vermittelt werden, eine nächtliche, ruhige Stimmung.

(Illustration: Kathrin Honesta, Text: RED)

passende Stimmung durch Farbgebung

Wir das ganze umgefärbt und das mit schwarzer Farbe, kann eine ganz andere Stimmung erzeugt werden. Es wird vielleicht noch immer ein Gefühl von “Nacht” vermittelt. Hier sind die Farben aber zu kräftig gewählt. Das helle weiß auf dunklem schwarz (was im Druck nochmal anders wirken würde) bildet einen zu starken Kontrast und lässt nicht mehr wirklich Platz für das eigentliche Thema.

schwarz/weiß

Schließlich könnten auch ganz andere Farben verwendet werden, die zunächst gar nichts mit dem Thema zu tun haben. In diesem Beispiel habe ich eine Version mit lila/rosa Tönen ausprobiert. In diesem Fall tragen die Farben nicht wirklich zu einer Stimmung bei. Im Gegenteil wirkt das Design so eher unrund und nicht passend, anstatt das gegensätzliche Stimmungen erzeugt werden.

andere Farben erzeugen andere Eindrücke

Als Fazit kann mal also sagen, dass mit den Farben durchaus Thematiken unterstützt werden können, um so ins Thema einzuführen und schon mal eine Grundstimmung herzustellen. Wird das nicht gemacht, geht zwar an Inhalt nichts verloren, an Stimmung jedoch schon. Das ist ungefähr das gleiche, wie an einem heißen Sommertag im Liegestuhl einen Tee zu trinken und im Winter unter der kuschligen Decke ein kühles Getränk mit Eiswürfel zu trinken. Funktioniert zwar aber passt irgendwie nicht ganz zusammen. Ähnlich scheint es im Design zu sein. Emotionales Design und Storytelling sind zwar für den Content oft nicht notwendig, tragen aber einen großen Beitrag zu Stimmungen und der Erfahrung bei.

Bilder und Storytelling

Nach dem Experiment mit emotional Branding möchte ich mich in diesem Eintrag noch mal genauer dem Thema “Storytelling in Bildern” widmen. Also wie Bilder Geschichten erzählen können ohne dabei Wörter zu benutzen.

Das Interpretieren von Bildern und deren Emotionen ist sehr subjektiv und verschiedene Bilder können verschiedene Geschichten beschreiben. Emotionen sind dabei ein wichtiges Mittel um Geschichten und deren Inhalt zu formen. Ob eine Person im Bild traurig ist oder glücklich, kann schließlich eine ganze Handlung verändern.

Wie schon in einem letzten Artikel beschrieben kann eine chronologische Abfolge in Bildern sehr wichtig für das Storytelling sein. Durch Bewegung können so unterschiedliche Sequenzen entstehen und Bilder erzählen eher Geschichten als sehr statische Bilder. Auch das wollte ich in weiteren kleinen Beispielen ausprobieren.

Im Park gibt es immer viel Bewegung, die nur festgehalten werden muss. In den Bildern (Abb. 1) wurde explizit versucht die Bewegung festzuhalten und zu verstärken. Im Vergleich zu statischen Bildern von Personen, Tieren oder anderen bewegenden Objekten regen diese Bilder wahrscheinlich eher zu Geschichten an. Verstärkt man die Bewegung dann noch mit Illustrationen oder ähnlichem kann diese noch klarer in den Vordergrund gerückt werden. Im Vergleich dazu sieht man in Abb. 2 ähnliche Bilder die aber sehr statisch sind und so weniger Bewegung zeigen. Ob diese Bilder jetzt im Vergleich zu den Bildern mit mehr Bewegung weniger Storytelling beinhalten ist schwierig zu beantworten, aber persönlich sprechen mich statische Bilder häufig nicht so sehr an, wie Bilder in denen Bewegung vorkommt. In manchen dieser statischen Bilder war es auch schwierig keine Bewegung zu fotografieren, bzw. häufig beinhalten auch diese Bilder Bewegung, nur nicht so deutlich.

Quellen:

Li, N., Liu, B., Han, Z., Liu, Y. S., & Fu, J. (2019, June). Emotion reinforced visual storytelling. In Proceedings of the 2019 on International Conference on Multimedia Retrieval  (pp. 297-305).

Lim, H., & Childs, M. (2020). Visual storytelling on Instagram: branded photo narrative and the role of telepresence. Journal of Research in Interactive Marketing.

Learnings – Experiment 1

In diesem Blogbeitrag möchte ich allgemeine Learnings bezüglich emotional Design in der Praxis festhalten. Durch ein erstes Experiment in dem ich emotional Design auf Social Media angewandt habe – bzw. versucht habe einen Instagram Account emotionaler zu designen wurden einige grundlegende Konzepte für emotionales Design bestätigt. Zumindest für mich. Durch das Explorieren, ob man einen Feed für ein wenig emotionales Thema emotionalisieren kann, konnte ich einiges Lernen.

Farben erzeugen Stimmung

Klar ist, dass Farben gewisse Stimmungen erzeugen können, das ist nichts Neues. Aber gerade für emotionales Design kann diese Tatsache genutzt werden, um die richtigen Farben für die richtige Stimmung auszuwählen. Ich hab mich für den Instagram Account für die Getreidemühle dazu entschieden mit warmen, pastelligen Tönen zu arbeiten, die aus der Natur inspiriert sind. Zum einen schafft das Verbundenheit zum Thema, zum anderen wird eine frische, sommerliche, fröhliche Stimmung ausgelöst. In den Farben wird die Natur, das Getreide und Wärme aufgegriffen, was einen Feed stimmiger machen kann, als hätte ich dunkle, knallige Farben gewählt. Je nach Farbwahl entsteht also ein anderes Gesamtbild, und somit eine andere Stimmung. Deswegen sind Farben für emotionales Design also auf jeden Fall entscheidend.

Bilder sorgen für Authentizität

Die Auswahl der Bilder kann entscheidend sein. Vergleichen wir Stock Bilder und natürliche, authentische Bilder. Stock Bilder wirken oft sehr gestellt, oder eingefroren in der Bewegung. Es herrscht wenig Dynamik und Freiraum in den Bildern, weshalb auch weniger eine Geschichte durch ein Bild erzählt wird. Werden hingegen Bilder gewählt, die Bewegung enthalten, die nicht gestellt oder perfekt sind, kann eher Authentizität vermittelt werden und die Bilder erzählen Geschichten oder vermitteln Stimmungen. Oftmals ist es nicht möglich, dass jedes Bild Bewegung enthält oder eine Geschichte erzählt, wie ich in meinem Experiment gemerkt habe. Gerade dann ist es wichtig, dass die Bilder eine einheitliche Farbwelt besitzen und zueinander passen und stimmig sind. Wie schon bei den Farben erwähnt – das Gesamtbild ist entscheiden für die Stimmung die vermittelt wird.

Verschiedene Ästhetiken

In den letzten Recherchen hab ich mir immer wieder die Frage gestellt, wie wirklich emotionales Design in der Praxis aussehen kann. Wie kann emotionales Design über reine Ästhetik, Farbwelt und Bildwelt hinausgehen um Stimmung zu vermitteln und Menschen positive oder negative Emotionen zu vermitteln. Dazu habe ich noch keine richtige Lösung oder Anleitung gefunden, aber vermutlich ist es für den Anfang wichtig, dass all diese Teilbereiche zusammenspielen und ein einheitliches, stimmiges Gesamtbild zu schaffen, um den noch einen Schritt weiter zu gehen, um mit Storytelling, Wording etc. ein emotionales Bild zu kreieren. Als kleines zusätzliches Experiment habe ich also unterschiedliche Ästhetiken im Design ausprobiert, weil ich mich gefragt habe ob auch diese verschiedene Stimmungen vermitteln können. Zum einen das Logo, wie es schon feststand. Zum anderen ein sehr florales, verspieltes, feminines Logo, was auf den ersten Blick wenig zum eigentlichen Thema und zu der Firma passt. Trotzdem ist der Versuch interessant, denn vermutlich könnten so ganz unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden, je nach dem wie das Corporate Design aussieht oder wie Verpackungen gestaltet sind. Auch das ist interessant zu bedenken, dass Design immer an die Zielgruppe angepasst sein muss, und so entweder funktionieren kann oder nicht. Genauso ist es mit emotionalen Design. Das kann nur funktionieren, wenn Designs an die Zielgruppe abgestimmt sind und an deren Verständnis von Ästhetik, ansonsten wird man diese Gruppe nicht erreichen.

Instagram & Emotional Design

Angelehnt an die Recherche aus dem letzten Blogbeitrag, sollte für diesen Beitrag eine Marke entstehen welche mit emotionalem Design verknüpft wird. Für einen ersten Versuch wird Social Media und insbesondere Instagram betrachtet. Emotionalen Content und Social Media zu verknüpfen scheint kein neues Konzept zu sein. Für den Versuch wird aber nun, wie in der letzten Recherche, eine Marke aufbereitet, welche im Allgemeinen nicht mit Emotionen assoziiert wird.

Dazu habe ich die Firma eines Familienbetriebes ausgewählt. Es handelt sich um eine Getreidemühle, in der Mehl produziert und verarbeitet wird. Diese Thematik scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich emotional. Deswegen sollte fürs erste durch den Aufbau eines Instagram Profils, Emotionalität hergestellt werden.

Design

Bis auf das Logo gab es keine durchgehende Designlinie für die Getreidemühle. Deshalb wurde eine visual Identity entwickelt. Dabei wurde besonders darauf Wert gelegt, das Thema so emotional auszugestalten wie möglich. Durch sommerliche Pastellfarben, und eine Kombination aus serifenloser Typo und Serifen entstand eine erste Grundlage, die ein ästhetisches Design für die Marke bilden sollte. In Kombination mit Bildern, die eine passende Stimmung ausdrücken und qualitativ hochwertig sind, entsteht schnell ein passendes Gesamtbild. Und das auch für eine Getreidemühle.

Wording & Storytelling

Wie das Beispiel von V.SUN, habe ich im nächsten Schritt versucht einen Content zu erstellen, der nicht nur darauf ausgelegt ist, die Produkte zu verkaufen, sondern viel mehr die Community informieren und aufklären soll. Zusätzlich sollen die Menschen miteingebunden werden, durch Fragen die beantwortet werden oder eine persönliche Ansprache. Des Weiteren sollten unterschiedliche Themen rund um den Betrieb angesprochen werden. So gibt es Posts zum Thema Nachhaltigkeit oder Rezepte zum ausprobieren. Die Getreidemühle soll so auf eine mehr persönliche und emotionale Ebene gebracht werden.

Instagram Feed als Experiment

Ergebnis

Im Bild oben sieht man den Instagram Feed und das Branding das dabei entstanden ist. Das Gesamtbild soll stimmig und ästhetisch ansprechend wirken. Im Allgemeinen kann so durch Design auch die emotionale Ebene angesprochen werden, vor allem auch durch eine passende Bildsprache und Storytelling über Themen wie Nachhaltigkeit, Regionalität oder die Produkte.

Fazit

Alleine durch ein Design kann also sehr viel Emotion in ein Thema gebracht werden, das zu Beginn wenig emotional scheint. In diesem Fall finde ich, funktioniert die Kombination aus Getreidemühle und emotionalem Design überraschend gut. Das zeigt, das grundsätzlich in jedes Thema entsprechende Emotion gebracht werden kann, wenn gewisse Richtlinien beachtet werden. Die wichtigsten Punkte waren hier für mich Ästhetik im Design, Nähe zu den Menschen, Befassen mit passender Thematik, Bildsprache sowie Storytelling.

Checklisten und informative Posts bringen Abwechslung in den Feed
Durch Fragen werden die Follower*innen zusätzlich persönlich angesprochen
Bilder können bestimmte Stimmungen und Emotionalität ausdrücken

Emotionalize a brand

Nach dem letzten Blogeintrag und einer einleitenden Recherche zu den folgenden Experimenten sollte nun emotionales Design im Hinblick auf Social Media betrachtet werden. Hier könnte man auch von emotionaler Kommunikation ganz allgemein sprechen. Um das Ganze auf eine mehr praktische Ebene zu bringen, sollen nun die theoretischen Konzepte des emotionalen Designs angewandt betrachtet werden. Das erste Experiment beschäftigt sich mit Emotionen im Bereich Social Media und Branding. Dazu wird ein Produkt/Marke/Firma betrachtet, die im Allgemeinen eher weniger mit Emotionen verbunden wird, bzw. auf den ersten Blick nicht als emotional gilt. Das soll eine gute Möglichkeit sein, um herauszufinden, in welchen Bereichen emotionales Design funktionieren kann, oder ob es vielleicht doch nur für spezifische Designs Sinn macht mit diesem Konzept zu arbeiten.

Recherche

Als ersten Anhaltspunkt ging ich auf die Suche nach Marken und Produkten die genau das machen. Nämlich ein Produkt, das eigentlich wenig “emotional” ist, emotionalisieren. Und das mit Design. Dabei ging ich vor allem so vor, mir die Frage zu stellen, ob diese Produkte auf mich selbst emotional wirkten, oder etwas in mir auslösten, oder mich zum Beispiel zum Kauf anregten. So kam ich zum Beispiel auf das Produkt und die Marke V.SUN (https://v-sun.de/). V.SUN ist eine Marke für Sonnencreme und ähnliche Produkte, also ganz alltägliche Produkt, die im Allgemeinen nicht sofort mit positiven Gefühlen oder Emotionen verbunden werden. Trotzdem schafft es V.SUN Emotionen in das Branding und das Produkt, sowie Social Media zu integrieren.

V.SUN Produkte (https://v-sun.de/)

1. Das Design

V.SUN setzt bewusst darauf nicht nur Pflege für die Haut zu bieten, sondern auch durch ihre Produkte Spaß und positive Momente für Menschen zu schaffen. Durch eine feminine Ästhetik und schlichtes, cleanes aber durchgängiges Design können die Produkte bereits anders auf Menschen wirken, als eine herkömmliche Sonnencreme. Sommerliche Farben und passende Typografie tragen ebenfalls zur Ästhetik der Produkte dabei.

2. Wording & Storytelling

Wie durch die letzten Blogeinträge klar wurde, ist Storytelling ein wichtiger Bestandteil im emotional Branding. Durch Geschichten werden Emotionen vermittelt. V.SUN arbeitet mit einer sehr persönlichen, verspielten Sprache in den Produkten. Sätze wie “Let´s spend the day together”, “don´t blush”, “good times and tan lines” oder “hello sunshine” auf den unterschiedlichen Produkten werden gewisse Stimmungen und ein positives Gefühl vermittelt. Diese erinnern an Sommertage und positive Momente. Kombiniert mit verspielter Typografie und der allgemeinen Ästhetik der Produkte kann auch das zu emotionalem Design beitragen.

3. Nachhaltigkeit & emotionale Thematik

V.SUN setzt auf Nachhaltigkeit in ihren Produkten. Das machen sie zum Beispiel dadurch, dass sie keine Inhaltsstoffe verwenden die das Wachstum von Korallen beeinträchtigen. Es wird auf kurze Transportwege geachtet und auf eine Herstellung in Deutschland. Das wird auch entsprechend kommuniziert und in die Bildsprache integriert. Solche Themen sind schon im Allgemeinen eher emotional behaftet, werden diese dann in Produkten und Marken behandelt, kann dies vielleicht auch die Emotionalität beeinflussen.

Wording und Fokus auf Nachhaltigkeit bei V.SUN

4. Bildsprache & Social Media

Auf Social Media setzt die Marke auf eine durchgängige Bildsprache. Die Posts wechseln zwischen Produktposts, Infoposts zu den Produkten oder aber auch Memes und allgemein passenden, ästhetischen Bildern, die eine gewisse Stimmung erzeugen und vermitteln. Diese Kombination mit dem Wording, wie oben beschrieben, sorgt für eine Verbindung zu der Community und macht mehr aus der Marke als nur eine Sonnencreme.

Instagram Feed
Persönliche Kommunikation
Memes

5. Zielgruppe

V.SUN spricht eine breite Zielgruppe an. Darunter hauptsächlich Menschen die die feminine Ästhetik der Produkte anspricht. Es wird darauf geachtet, dass die Produkte für verschiedenste Hauttypen verwendbar sind, um die Produkte für viele Menschen nützlich zu machen. Diese Zielgruppe wird dann auch entsprechend angesprochen durch die verspielte und persönliche Sprache sowie die Bildsprache. So wird auch auf die Personalisierung der Produkte geachtet. Es gibt verschiedene Sonnenschutzfaktoren oder Sonnencremes für sensible Haut etc., welche so genau auf die Bedürfnisse verschiedener Personen abgestimmt sind. Man bekommt das Gefühl, dass die Marke sich für die Menschen, die die Produkte kaufen interessiert und das schafft Verbindung.

All diese Punkte spielen natürlich zusammen und schaffen ein einheitliches emotionales Branding und eine emotionale Kommunikation für V.SUN, welches funktioniert, obwohl das Produkt der Sonnencreme nicht auf den ersten Blick passend für ein emotionales Branding scheint.

Fazit

Das hat mich schließlich dazu inspiriert experimentell herauszufinden, was genau ein Produkt/Branding oder eine Marke emotional ansprechend machen kann. Denn wie man sieht, braucht es dazu nicht zwingend Produkte, die schon grundsätzlich mit Emotionen verbunden sind. Im nächsten Blogartikel wird nun versucht, orientiert an diesem Beispiel eine ähnlich emotionale Marke aufzubauen.

Emotionalize Design – ein Experiment

Das Thema “emotionales Design” begleitet mich nun seit dem ersten Semester und ich konnte dazu viele interessante Fakten, vor allem in der Theorie herausarbeiten und recherchieren. Über die Zeit hatte ich trotzdem das Gefühl mit der theoretischen Ausarbeitung des Themas fürs erste genug recherchiert zu haben. Da ich trotzdem das Thema vorerst nicht ganz verwerfen möchte, um ein anderes zu recherchieren, möchte ich versuchen, das Thema in der Phase des “Experimentierens” neu zu denken und anders zu betrachten. Vor allem möchte ich das Konzept aus der Praxis betrachten – obwohl es dazu wenig bis gar keine theoretischen Vorschläge für konkretes Design gibt. Viel mehr möchte ich das Recherchierte selbst in die Praxis überführen und versuchen emotionales Design in verschiedenen Bereichen des Kommunikationsdesigns anzuwenden, um zu sehen, wo das überhaupt Sinn macht, und ob sich mit der Zeit nicht vielleicht doch übergreifende Richtlinien ergeben, welche emotionales Design “umsetzbar” machen.

Plan für dieses Semester

Das bedeutet nun, dass ich mir Bereiche heraussuchen möchte, die mir besonders Spaß machen – wie Branding, Editorial Design, oder Social Media – und diese aus der Sicht des emotionalen Designs betrachten möchte. Sozusagen also einen Bereich des Grafikdesigns emotionalisieren. So wird klar werden in welchen Bereichen das vielleicht besonders viel Sinn macht, und wo man eher an die Grenzen des emotionalen Designs stößt. Eventuell kann sich so auch ein Bereich für die Masterarbeit herauskristallisieren. Für den ersten Teil und die ersten Blogeinträge möchte ich grafisch an einem Social Media (konkret Instagram) Auftritt einer selbst entworfenen Marke arbeiten und die recherchierte Theorie des letzten Semesters miteinfließen lassen.

Wie Social Media, Grafikdesign und emotionales Design zusammenpassen soll in einer kurzen Recherche zur Thematik verdeutlicht werden.

Social Media und Emotionen – theoretischer Hintergrund

Social Media wird gerne für die Präsentation von Marken und deren Werten genutzt. Dabei geht es nicht immer zwingend darum, über Social Media Produkte direkt zu verkaufen, sondern eher die Kundenbindung zu stärken und einen gewissen Lifestyle einer Marke darzustellen und zu vermitteln. Vor allem die Plattform Instagram bietet sich aufgrund des visuellen Fokus an, um eine Marke nach außen zu kommunizieren und mit Menschen zu interagieren. Um erfolgreich einen Instagram Auftritt aufzubereiten braucht es eine Strategie die dahintersteckt, um sowohl die Marke mit all ihren Werten aber auch eine gewisse User Experience und Emotionen zu vermitteln. An dieser Stelle wird emotionales Design wichtig und dahingehend auch der Begriff “branded Storytelling”, also der Einsatz von Storytelling im Kontext einer Marke und von Produkten. Wie im letzten Semester klar wurde, ist Storytelling ein wichtiger Anhaltspunkt für emotionales Design. Immer wenn Geschichten erzählt werden, sind automatisch Emotionen damit verbunden und die Möglichkeit, dass sich Menschen in diese Geschichten hineinversetzen und diese auf ihr eigenes Leben übertragen.

Immer mehr wird Social Media für die Präsentation von Marken und deren “Lifestyle” genutzt.

Wichtig ist also der Einsatz von Storytelling und dementsprechend auch von Grundlagen von Erzählungen. Über eine rein visuelle Plattform wie Instagram scheint das gar nicht so einfach, da die Ursprünge von Geschichten ja doch in gesprochener und geschriebener Form liegen. Instagram bietet zwar mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, wie der Einsatz von Videos, Reels, Stories etc. jedoch ist es auch wichtig, anhand normaler Posts Emotionen übertragen zu können. Ein Vorteil der visuellen Sprache ist es, dass viel eher emotionale Reaktionen hervorgerufen werden, da durch visuelle Informationen auch eine visuelle Informationsverarbeitung stattfindet. Dadurch versetzen wir uns leichter in Situationen und fühlen mit. Umso mehr sich Personen von einer Geschichte persönlich angesprochen fühlen, umso eher werden sie auch positiv, emotional über eine Marke denken und sich damit verbunden fühlen.

Bewegung in Bildern

Eine grundlegende Idee ist es somit Merkmale des klassischen Storytellings auf eine rein visuelle Form zu übertragen. Das beginnt bei der Chronologie und der Abfolge von Events, sowie Weiterentwicklung einer Story. Um dies visuell umzusetzen kann Bewegung in Bilder gebracht werden, welche dann eher eine Geschichte impliziert, als ein rein statisches Bild. Bewegung muss hier nicht gleich klassische Bewegung bedeuten. Es geht eher darum zu verdeutlichen, dass hinter einem Post bzw. einem Bild eine Geschichte und somit verschiedene Events stehen. Durch Bewegung werden auch die Spiegelneuronen im Gehirn aktiviert, wenn wir ein Bild betrachten. Diese sorgen dafür, dass Gesehenes mitgefühlt wird, da unser Gehirn eine ähnliche Repräsentation entwickelt.

Natürlichkeit und Emotion in Bildern

Ähnlich dazu sollten Bilder vermieden werden, welche wenig Emotionen vermitteln. Also Bilder die gestellt wirken, sehr statisch sind und fern aus dem Alltag vieler Personen. Eher sollte darauf geachtet werden, dass Personen in Bildern natürlich wirken, dass Mimik, Gestik und auch der Kontext einer Situation erkennbar sind, dass das Foto nicht gestellt wirkt, selbst wenn es das ist.

Anhand dieser theoretischen Rahmenbedingungen soll im nächsten Schritt versucht werden, einer Marke einen emotionalen Social Media Auftritt zu verschaffen.

Emotional Branding

In einem der letzten Blogeinträge wurde kurz das Thema des Emotional Branding erwähnt. Dieses Herstellen einer emotionalen Verbindung zu einer Marke hängt stark mit dem emotionalen Design einer Marke und von Produkten zusammen. In diesem Artikel wird das Thema des Emotional Branding also genauer betrachtet.

Funktionale und emotionale Werte

Emotional Branding baut auf emotionalen Bedürfnissen, wie Liebe, emotionaler Sicherheit und Stärke auf. Dies kann schließlich emotionale Reaktionen hervorrufen. Zu Beginn ist es wichtig zu erwähnen, dass im Design immer beide Ebenen, die funktionale und die emotionale Ebene betrachtet werden müssen. Denn ohne eine funktionale Ebene haben Produkte und Marken auch keinen Mehrwert für Kund*innen und somit kann dies auch nicht auf der emotionalen Ebene ausgeglichen werden. Allerdings gibt es hier einige interessante Aspekte zu betrachten (Kato, 2021). Der funktionale Wert kann nach Sheth, Newman und Gross (1991) definiert werden als “perceived utility derived from an alternative’s capacity for functional, utilitarian, or physical performance”. Es steht also immer Nützlichkeit und Funktionalität dabei im Vordergrund. Der Emotionale Wert hingegen wird definiert als “perceived utility derived from an alternative’s capacity to arouse feelings or affective states”. Hier sind die Gefühle, und affektiven Zustände von Bedeutung. Beides zusammen schafft eine optimale Grundlage für emotional Branding und Markenbindung.

Dazu ist es allerdings wichtig, dass die Balance zwischen den beiden Werten ausgeglichen bleibt. Denn gibt es in Verbindung zu einem Produkt zu viele Funktionen und Möglichkeiten zur Interaktion – vor allem bei digitalen Produkten – dann leidet vermutlich nicht nur die Usability darunter, sondern das Kaufverhalten wird dadurch auch nicht positiv beeinflusst (Kato & Tsuda, 2020). Im Gegenteil hat der emotionale Wert hier einen größeren Einfluss. Es handelt sich hier um die sogenannte “feature fatigue” nach der Produkte mit zu vielen Funktionen eher als unattraktiv für Konsumentinnen angesehen werden. Emotional ansprechende Produkte werden hingegen eher die Bedürfnisse der Konsument*innen in den Vordergrund stellen und somit eher zum Kauf anregen. Somit ergibt es nach Kato (2021) auch Sinn den emotionalen Wert eines Produktes in den Vordergrund zu stellen, um Produkte attraktiver zu gestalten, den funktionalen Wert aber auf jeden Fall nicht zu vergessen.

Wie eine emotionale Marke also schließlich in der Praxis aufgebaut und designed werden kann, soll im nächsten Abschnitt betrachtet werden. Dazu werden einige Anhaltspunkte und Beispiele beschrieben.

Fokus auf die richtigen Emotionen

Es gibt positive und negative Emotionen. Werden positive Emotionen wie Liebe, Freude, Glück, Mut, Optimismus oder Hoffnung über eine Marke transportiert, kann eine Marke beispielsweise humaner wirken und so näher an Kundinnen sein. Dazu muss im Designprozess bedacht werden, welche Emotionen bei Kund*innen ausgelöst werden sollten, um diese auch entsprechend zu vermitteln. Nur so können Kund*innen schließlich die Marke auch mit diesen Emotionen in Verbindung bringen und das Gefühl einer humanen, menschlichen Marke bekommen.

Einsatz von Bildern & Storytelling

Storytelling schafft Aufmerksamkeit und vor allem eine emotionale Wirkung. In einem Zitat nach Mark Scaefer wird das deutlicher: “We don´t have 30 seconds to be interrupted by advertising, however, when audiences are exposed to content that is valuable, entertaining, emotive and simply enjoyable – even if it´s branded – they miraculously have 30 minutes to watch and then share the content with their own audiences.”

Hilfreich sollte hier der Fokus auf einige wenige Emotionen sein, sodass diese über das Design klar vermittelt werden können (Brown, 2017). Beispielsweise fokussiert sich die Marke “Indego Africa” auf Emotionen wie Hoffnung und Mut. Diese werden direkt über das Design und Zusammenspiel von Bild und Sprache übermittelt und an Betrachter*innen übertragen.

Wichtig ist es die richtige Story zu finden. Oft werden aktuelle Anlässe und Situationen wie die Corona Pandemie genutzt, um emotionale Werbungen und Kampagnen zu starten. Das soll Kund*innen auf der emotionalen Ebene ansprechen. Mögliche andere Wege sind aber auch Geschichten über das Produkt, die Firma, einen Ort, die mögliche Zielgruppe oder einen “Hero”, welcher im Zentrum der Geschichte steht, zu starten.

Indego Africa (https://indegoafrica.org/)

Anpassung an die Zielgruppe

Die Marke Always (https://www.always.de/de-de/) beispielsweise spricht mit der Kampagne #LIKEAGIRL (2014) direkt die Zielgruppe an und schafft über Storytelling eine emotionale Wirkung, die Hoffnung und Ermutigung vermittelt. Auch in diesem Fall ist die Sprache der Bilder ausschlaggebend und im Zentrum. Dadurch das Menschen der Zielgruppe auf den Bildern abgebildet werden, wird das Design natürlich gleichzeitig auch wieder humaner und für die Zielgruppe nachvollziehbarer. Diese fühlen sich mit der Kampagne vielleicht selbst angesprochen.

Always Kampagne #LIKEAGIRL 2014

Personalisierte Produkte

Eine andere Möglichkeit des emotionalen Designs im Branding ist die Personalisierung und die direkte Ansprache der Kundinnen. Die Marke Function of Beauty lässt Kundinnen bei ihrer Bestellung ein Quiz ausfüllen, um ein optimales Shampoo für die Kundinnen herzustellen, das genau auf deren Bedürfnisse abgestimmt ist. Duft, Farbe, Inhaltsstoffe können selbst bestimmt werden. Der eigene Name wird auf die Verpackung des Produktes gedruckt, die im allgemeinen sehr minimalistisch gehalten ist. Kundinnen identifizieren sich mit dem Produkt, es wird auf ihre Bedürfnisse abgestimmt und es ist ihr persönliches Produkt – das schafft Bindung.

Function of Beauty (https://www.functionofbeauty.com/)

Brand Persönlichkeit

Auch ein definierter Charakter, der mit einer Marke assoziiert werden soll, kann hilfreich sein. Ist eine Marke vielleicht jung, sportlich, abenteuerlich, fröhlich oder ermutigend? Je nachdem, was die Marke widerspiegeln soll, sollte auch der Charakter definiert werden. Kundenbeziehungen werden dann stärker sein, wenn sich Kund*innen mit den Werten von Produkten und Marken identifizieren können. Und dieser Charakter kann sich im Produkt wiederfinden.

User Value

Die Vorteile der Marke konzentrieren sich auf das, was die Kund*innen an die Marke bindet. Am Beispiel von Apple, die einfach bedienbaren User Interfaces. Genau diese Benefits sollten schließlich auch in Kampagnen und dem Markendesign aufgegriffen werden. Ein gute Kauferlebnis schafft schließlich weiter positive Verbindungen. Beispielsweise ist eine Onlinebestellung vielleicht besonders einfach und reibungslos verlaufen (aus der Sicht des Designs durch entsprechende User Interfaces, Webdesign etc., vielleicht kommt das Produkt mit einer personalisierten Karte, wenn dieses geöffnet wird). Diese User Experiences können einen Einfluss darauf haben, ob eine Marke erneut gewählt wird oder nicht.


Quellen

Brown, E. (2017, 20. November). Emotional Branding: The Role of Positive Emotions In Branding. Verfügbar am 15. Jänner 2022 https://www.designmantic.com/blog/emotional-branding/

Kato, T. , & Tsuda, K. (2020). The effect of the number of additional options for vehicles on consumers’ willingness to pay. Procedia Computer Science, 176 , 1540–1547.

Kato, T. (2021). Functional value vs emotional value: A comparative study of the values that contribute to a preference for a corporate brand. International Journal of Information Management Data Insights1(2), 100024. https://doi.org/10.1016/j.jjimei.2021.100024

Sheth, J. N. , Newman, B. I. , & Gross, B. L. (1991). Why we buy what we buy: A theory of consumption values. Journal of Business Research, 22 (2), 159–170 .

(2021, 8. Februar). The Role of Emotion and Storytelling For Brand Building. Verfügbar am 15. Jänner 2022. https://rockcontent.com/blog/emotional-branding/

Emotional Typography

Nachdem in den letzten Blogartikeln die Thematik rund um emotionales Grafikdesign hauptsächlich theoretisch betrachtet wurde, sollte nun die praktische Umsetzung in den Mittelpunkt der Recherche rücken. Da Designs aus verschiedensten Elementen bestehen, können all diese Elemente auf unterschiedliche Weise Emotionen auslösen. Thema dieses Artikels sind zunächst Emotionen im Design mit Typografie. Hier stellt sich zunächst die Frage, ob Typografie überhaupt Emotionen auslösen kann. Wie in den letzten Artikeln klar wurde, können Emotionen im Design eine wichtige Auswirkung auf Betrachter*innen und Kund*innen haben. Typografie ist hier ein wichtiges Gestaltungsmittel im Design, mithilfe dessen die allgemeine Stimmung und ein Eindruck eines Designs übermittelt werden kann.

So können durch Farbe oder Schriftschnitte beziehungsweise Stil der Schriftart oder sogar bewegte Typografie, gewünschte Emotionen übermittelt werden. Durch bewegte Typografie zum Beispiel kann auch die Komplexität des Ausdrucks eines Designs erhöht werden, um bestimmte Stimmungen zu übermitteln (Amic, 2015).

Typografie und Emotionen – eine Studie

In einer Studie nach Koch (2012) wurde diese Thematik näher beleuchtet, indem Menschen nach den emotionalen Eindrücken bei der Betrachtung von verschiedenen Schriftschnitten der Schriftart Helvetica (serif, sans serif, light, bold, condensed, extended, square, round) befragt wurden. Diese klassische Schriftart kann vielfältig eingesetzt werden und weist daher auch nicht auf Kontexte hin, in denen diese verwendet werden könnte. So wurden Assoziationen mit bestimmten Emotionen vermieden. In dieser Studie konnten die Teilnehmer*innen pro Typografie Beispiel anhand von Bildern den Zusammenhang zwischen der Typografie und zwölf unterschiedlichen Emotionen bewerten (positiv und negativ)(Koch, 2012).

Einige interessante Ergebnisse der Studie nach Koch (2012):

  • Bei Schriftschnitten “light” und “bold” gab es einen signifikanten Unterschied in den Emotionen desire, satisfaction und fascination. Diese Emotionen wurden eher mit light Schriftschnitten assoziiert.
  • Beim Vergleich von runden und eckigen Schriftschnitten gab es keine signifikanten Unterschiede in den Emotionen
  • Hingegen bei condensed Schriftschnitten gab es signifikante Unterschiede in desire, satisfaction, joy und fascination
  • Umgekehrt waren die Emotionen dissatisfaction, fear, sadness und boredom signifikant unterschiedlich bei extended Schriftschnitten
  • serif wurde außerdem eher mit satisfaction assoziiert als serifenlos.

Werden diese Ergebnisse im Design mitbedacht so kann im Allegemeinen die visuelle Kommunikation verbessert werden, Typografie besser an den Kontext des Einsatzes angepasst werden und das Verständnis verbessert werden (Koch, 2012).

Experimentelle emotionale Typografie

Einem eher experimentellen und expressiven Zugang zu dieser Thematik hat sich Bujny (2016) gewidmet. Auch dieser beschäftigt sich mit emotionaler Typogafie und betrachtet unterschiedliche Möglichkeiten, diese in der Gestaltung von Postern einzubinden und so verschiedenste Emotionen und Eindrücke auszulösen und einen bleibenden Eindruck bei Menschen zu hinterlassen. Bujny betrachtet Poster zu gesellschaftskritischen Themen und analysiert diese anhand der Typografie (Bujny, 2016). Einige dieser Beispiele möchte ich in diesen Blogartikel aufnehmen, da diese emotionale Typografie gut in die Praxis umsetzen.

Bujny unterscheidet dabei zwischen verschiedenen Arten, Typografie in Plakaten einzusetzen (Bujny, 2016):

  • als einfache Caption
  • als Ergänzung zum Bild
  • als Element des Bildes
  • dominierende Typografie
  • manuelle/persönliche Typografie

Nimmt man die dominierende Typografie als Beispiel – oder auch ein Typografieposter – so wird die Typografie in den Vordergrund gestellt und sorgt so grundsätzlich für Aufmerksamkeit. Text arbeitet hier auch als Bild und übermittelt eine Message. Wird dieser Zugang schließlich mit Emotionen verknüpft kann ein Poster ähnlich zu dem nach Ania Iliszko entstehen. Hier wird das Thema der Depression auf emotionale Weise behandelt, indem die Buchstaben verformt werden und mit grafischen Mitteln ergänzt werden. Allein durch Buchstaben wird so eine Stimmung übermittelt, welche mit klassischer Typografie nur schwer übermittelt werden könnte.

Ania Iliszko – Depression

In einem anderen Beispiel von Joanna Patan wird das Thema der Freiheit in einem Poster behandelt. In diesem Fall kann man von Typografie als Ergänzung zum Bild sprechen. Auch hier wird durch den Einsatz von Wörtern eine wichtige Message und Stimmung vermittelt. Die Anordnung, die Größe der Schrift und die Kombination mit den grafischen Elementen untermalen das Thema der Freiheit und des Ausbrechens und durch die Platzierung des Textes in der Mitte wird die Aufmerksamkeit darauf gelenkt. Auch der Weißraum spielt hier natürlich eine wichtige Rolle. Trotzdem würde das Plakat ohne das Wort “Freedom” nicht die selbe Wirkung und Emotionalität erreichen.

Joanna Patan – Freedom

In einem dritten Beispiel von Jarek Bujny verschwimmt der Einsatz von Text mit dem Bild. So wird aus den unterschiedlichen Elementen ein ganzheitliches Bild geschaffen. So bekommen die Wörter und Buchstaben auch zusätzliche Aufgaben, neben dem Übermitteln einer Message. Im Poster zum Thema “Human?” werden die Buchstaben mit dem Bild verknüpft. Der Fokus liegt hier auf dem in der Mitte des Bildes und stellt das “M” in den Vordergrund.

Jarek Bujny – Human?

Typografie und Emotionen der Designer*innen

Auch Takahashi (2008), ein japanischer Designer beschäftige sich mit dem Thema der emotionalen Typografie. In seinem Buch “Emotional Typografie” stellt er Projekte dar, welche durch seine eigenen Emotionen beeinflusst wurden. In einem seiner Projekte wird Text im Zusammenhang mit Regen dargestellt. Hier sollen die Emotionen widergespiegelt werden, welche beim Betrachten von Regenfall aufkommen. Trotzdem bleibt der Text hier lesbar, wird aber mit einem Kontext und mit Emotionen verknüpft (Takahashi, 2008). Das alles wird durch das Verzerren von Buchstaben möglich und schafft sofort einen anderen Eindruck beim Betrachten der Seiten.

Takahashi (2008): Emotional Typography

Literatur:

Amic, G. H. (2015, 11. November). Typography Today: Emotion Recognition in Typography. Verfügbar **am 28. Dezember 2021 unter https://thecsdblog.wordpress.com/category/graphic-design/

Bujny, J. (2016). The emotional typography. Typography and Education (Academic Research/Presentations)/Experiments and Explorations in Education of Typography.[Paper presentation. TYPODAY 2016. Bangalore, India. https://www.researchgate.net/publication/305317588_The_emotional_typography_Typography_and_Education_Academic_ResearchPresentations_Experiments_and_Explorations_in_Education_of_Typography

Koch, B. E. (2012). Emotions in Typographic Design: An Empirical Examination. Visible Language46(3), 206-227. https://flatisbad.com/resources/Koch-VisibleLang12.pdf

Takahashi, Y. (2008) Emotional Typography.Kokokumaru.http://www.kokokumaru.com/english/chosho/typo.html

Emotionen im Designprozess, Empathie & emotional Branding

Grafikdesign hängt eng mit dem Vermitteln von Emotionen zusammen, wie in den letzten Blogartikeln klar wurde. Dieser Zusammenhang, sowie die Wichtigkeit von Emotionen im Designprozess sind Thema dieses Blogartikels.

Indem Grafiken durch unterschiedlichste Gestaltungselemente verarbeitet werden und Informationen visualisiert werden, werden gleichzeitig auch Emotionen vermittelt. Diese Emotionalität im Design kann schließlich dazu beitragen, dass die Kommunikation der Informationen verbessert wird und die Betrachter*innen dem Design mehr Aufmerksamkeit schenken. Ästhetik ist dabei ein wichtiges Prinzip – denn im Zusammenhang mit Ästhetik können auch Emotionen ausgelöst werden. Durch Farben, Bilder oder das gesamte Design werden die Informationen übermittelt die im Designprozess bearbeitet wurden und diese können schließlich emotional aufgefasst werden (Tongxiang JS Appararel Accessories Co. Ltd., 2021).

Diese Art der Wahrnehmung ist sehr subjektiv und hängt von Erfahrungen, der Vorstellungskraft, dem Denken und Verstehen der jeweiligen Person ab (Tongxiang JS Appararel Accessories Co. Ltd., 2021). Dieses Thema der Subjektivität im Design wurde auch im letzten Artikel schon behandelt. Persönlich gefällt uns, was zu uns passt. Passt das Produkt oder das Design zu unserem Lebensstil oder einem erwünschten Lebensstil, unserer aktuellen Lage, passt es zu unseren Werten, so werden wir das Produkt am ehesten ansprechend finden (Heimann & Schütz, 2018). Somit muss die Wirkung eines Designs nicht immer gleich sein. Normalerweise sollten Betrachter*innen die emotionale Funktion eines Designs jedoch durch Empathie, Erfahrungen und die Vorstellungskraft wahrnehmen. So können auch individuelle Wahrnehmungen entstehen, die den eigenen ästhetischen Bedürfnissen nahe kommen (Tongxiang JS Appararel Accessories Co. Ltd., 2021)(Liang, 2021).

Emotionalität im Prozess des Designens

In einem Blogartikel, auf den ich bei der Recherche gestoßen bin, wird davon geschrieben, dass es auch ein möglicher Ansatz sein kann, die Emotionalität eines Designs gar nicht auf den ersten Blick sichtbar zu machen. So bleibt den Betrachter*innen die Möglichkeit, durch die eigene Wahrnehmung und interessengeleitet das Design zu betrachten und das Denken anzuregen. Ähnlich dazu wird in diesem Artikel auch die Empathie im Design behandelt. Designer*innen bringen ihre eigenen Emotionen in Designs ein – das kann auch bei Betrachterinnen Wirkung erzielen. Vor allem Personifizierung und das Integrieren von Persönlichkeit in ein Design, kann ein Design emotional werden lassen. Diese Methode kann natürlich nur dann angewendet werden, wenn diese zum Design und der Stimmung der Betrachter*innen passt (Tongxiang JS Appararel Accessories Co. Ltd., 2021).

Designer*innen sollten sich auch immer mit dem Standpunkt der Betrachter*innen beschäftigen und nicht nur mit dem eigenen, sodass Emotionen im Design hier im Einklang sind. Emotionales Design gibt auch Inhalt für den Prozess des Designens und kann in der Kommunikation eine wichtige Rolle spielen. So kann die emotionale Erfahrung der Betrachter*innen verbessert werden. Um das zu erreichen, müssen neben visuellen, ästhetischen Aspekten im Design auch die emotionalen Eigenschaften der Kommunikation betrachtet werden, sodass das Design lebendiger, ausdrucksstärker und menschlicher ist und diese Emotionen auch bei den Menschen ankommen (Liang, 2021). Zumindest nach der Betrachtung der funktionalen Ebene im Design, können Emotionen in den Vordergrund rücken (Yen, Lin & Lin, 2014).

Wahrnehmung und Einfluss des emotionalen Designs

Zunächst wird das Gesamtbild des Designs wahrgenommen und erst im Anschluss in seine Einzelteile zerlegt. Das bedeutet, das emotionales Design im gesamten Prozess bedacht werden muss, um Produkte zu schaffen, die näher an den Emotionen der Menschen sind, sodass diese auch übermittelt werden können. So können die Emotionen der Betrachter*innen oder Konsument*innen in den Vordergrund gestellt werden und visuelles Kommunikationsdesign kann die emotionalen und psychologischen Bedürfnisse der Betrachter*innen umfassend berücksichtigen. Treffen Produkte schließlich die Bedürfnisse möglicher Kund*innen hat dies auch eine Auswirkung darauf, ob das Produkt gekauft wird oder nicht, da bevorzugt Produkte ausgewählt werden sollten, die auch den eigenen Emotionen, Reaktionen und Bedürfnissen entsprechen (Liang, 2021).

Schafft es eine Marke schließlich eine starke Verbindung zu Kund*innen herzustellen kann man von emotional Branding sprechen. Diese emotionale Verbindung zu einer Marke zeichnet sich dadurch aus, dass diese längerfristig besteht und mit positiven Emotionen und Leidenschaft verbunden ist. Zu einer emotionalen Marke gehören schließlich nach Yen, Lin und Lin (2014) Ästhetik, Kreativität und auch Attraktivität. Diese wiederum beeinflussen die Leidenschaft, die positiven Emotionen und Verbindungen zu einer Marke. Das Thema des emotionalen Brandings wird aber in einem der folgenden Artikel näher behandelt werden (Yen, Lin & Lin, 2014).


Quellen

Heimann, M., Schütz, M. (2018). Wie Design wirkt: psychologische Prinzipien erfolgreicher Gestaltung. Rheinwerk.

Yen, H. Y., Lin, P. H., & Lin, R. (2014). Emotional product design and perceived brand emotion. International Journal of Advances in Psychology (IJAP)3(2), 59-66. https://cid.ntua.edu.tw/files/IJAP6556.pdf

Liang, S. (2021). Research on Emotional Factors and Emotional Experience of Information Graphic Design in Visual Communication Design. Academic Journal of Computing & Information Science4(2). file:///Users/lisapassenbrunner/Downloads/ddIcFe9Z1BlTIucU79yolNNcdv2e9gVl3956FEwr%20(1).pdf

Tongxiang JS Appararel Accessories Co. Ltd. (2021, 23. November). Graphic design skills, emotional resonance method. Verfügbar am 13. Dezember 2021 unter https://www.linkedin.com/pulse/graphic-design-skills-emotional-resonance-method-jsfashion